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BER : Baustelle des Schreckens

07.01.2013 07:19 Uhrvon , Kevin P. Hoffmann
Die BER-Baustelle in Schönefeld: Auch in diesem Jahr wird von hier kein Flieger starten.Bild vergrößern
Die BER-Baustelle in Schönefeld: Auch in diesem Jahr wird von hier kein Flieger starten. - Foto: dpa

Technikchef Amann kam als der Heilsbringer zum BER, er sollte das Projekt aus dem Schlamassel ziehen. Doch jetzt gerät er zunehmend in die Kritik: Seit dem Sommer ist auf der Baustelle nichts passiert. Durch das BER-Debakel gerät nun Tegel wieder in den Blickpunkt.

Der vermeintliche Retter hat es nicht geschafft. Im vergangenen August war Horst Amann vom Frankfurter Flughafen weggelotst worden, um das Desaster in Schönefeld doch noch abzuwenden. Am Main war er unter anderem für den Bau der vierten Landebahn zuständig gewesen. Insider hatten bereits damals bezweifelt, dass ein Tiefbauexperte ein so verbocktes Hochbauprojekt stemmen könne. Bis heute sind die Arbeiten im Terminal in der Tat nicht in Gang gekommen. Amann hatte nach seinem Amtsantritt und einer ersten Bestandsaufnahme noch angekündigt, Mitte November müssten die seit der ersten Terminverschiebung im Mai 2012 weitgehend ruhenden Arbeiten wieder auf vollen Touren laufen, um den zuletzt genannten Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 halten zu können.

Die Lage war extrem schwierig. Flughafenchef Rainer Schwarz hatte mit Zustimmung des Aufsichtsrats unter dem Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) bereits im Mai die Hauptplaner der Planungsgemeinschaft BBI, das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner sowie ISK, fristlos gefeuert. Amann trennte sich dann umgehend auch von den bisherigen Chefplanern bei der Flughafengesellschaft. Der Umgang mit ihm sei schwierig, heißt es in seinem Umfeld. Nach Tagesspiegel-Informationen haben deshalb auch mehrere Mitarbeiter von sich aus gekündigt; Amann musste immer wieder neue Leute an Bord nehmen.

Ob er nun die Geschäftsführung übernimmt, wenn Rainer Schwarz, was erwartet wird, das Unternehmen – gegen eine Abfindung – verlassen muss, ist zweifelhaft. Und der Aufsichtsrat sucht bereits einen Finanzexperten für die Geschäftsführung. Groß werde die Zahl der Bewerber bei diesem verkorksten Projekt, mit dem sich Berlin und Deutschland weltweit blamiert hätten, nicht sein, sagen Fachleute. Mehrfach war bereits der ehemalige Flughafenmanager Thomas Weyer ins Gespräch gebracht worden. Er war in Schönefeld für den Flughafenausbau zuständig, 2008 aber in den Vorstand der Flughafengesellschaft in München gewechselt.

„Mich überrascht die Verschiebung gar nicht“, sagte der Berliner Projektmanager und Bausachverständige Rainer Schofer am Sonntagabend. Nach sieben Monaten weitgehendem Baustillstand sei es nicht mehr möglich, bis Mai alle Arbeiten aufzunehmen und abzuschließen. Das sei aber nötig, da man weiter vier bis fünf Monate für die nötigen Tests zur Inbetriebnahme brauche.

Schofer ist Vorsitzender des Verbandes der Projektmanager in der Bau- und Immobilienwirtschaft (DVP) und hatte für seine Firma SMV aus Tiergarten zuletzt Anfang Dezember Gespräche mit BER-Chefplaner Horst Amann geführt. Schofers Eindruck war, dass die Flughafengesellschaft den seiner Ansicht nach exzellenten Manager Amann zu sehr mit der Aufarbeitung alter Fehler anderer und der Vorbereitung von Aufsichtsratssitzungen behellige, anstatt ihn das Problem lösen zu lassen. Amann seien so „die Hände gebunden“.

Die Baufirmen würden derzeit nicht arbeiten, da sie zunächst alle bis zum vergangenen Juni 2012 – dem kurzfristig abgesagten Eröffnungstermin – erbrachten Leistungen bezahlt haben wollten. Zudem verlangten sie klare Auftragsbeschreibungen, die es aber nicht gebe. „Die Baufirmen haben derzeit eine ungewöhnlich große Macht, da sie quasi unkündbar sind – schon aus gewährleistungsrechtlichen Gründen.“

Schofer hält die Kündigung des Projektplaners gmp für den größten Fehler. Zudem würde der Zwang, alle neuen Leistungen europaweit ausschreiben zu müssen, den Prozess weiter verzögern.

Betroffen von der erneuten Verschiebung sind auch Hunderttausende von Berlinern im Umfeld des Flughafens Tegel, die nun noch länger unter dem Fluglärm dort leiden. Vor allem die Zahl der Flüge in der Nacht hat zugenommen – mit einer Konzentration in der Zeit bis 23 Uhr. Und der längst an der Kapazitätsgrenze angekommene Flughafen muss einen weiteren Winter durchhalten, der zusätzliche Probleme schafft. Für zwei Millionen Euro wird Tegel derzeit ertüchtigt.

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