BER : Daniel Abbou muss gehen - weil er offen sprach

Der Sprecher des geplanten, aber unvollendeten Berliner Flughafens BER, Daniel Abbou, muss gehen. Er hatte zu offen geredet. Die Glaubwürdigkeit, die er herstellen sollte, hat sich mal wieder erledigt. Ein Kommentar.

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Es läuft zwar nicht am BER, aber sie laufen: Teilnehmer des Airport Run in Schönefeld (Brandenburg) am vergangenen Samstag auf der Südbahn des Flughafens.
Es läuft zwar nicht am BER, aber sie laufen: Teilnehmer des Airport Run in Schönefeld (Brandenburg) am vergangenen Samstag auf der...Foto: dpa

Na, das ging ja mal schnell am BER: Kaum war der neue Sprecher Daniel Abbou da, ist er auch schon wieder weg. Zum Verhängnis (wenn es denn eins ist) wurde dem Kommunikationsprofi ein Interview in eigener Sache, ausgerechnet. Aufsehenerregend offen plauderte er gegenüber der Kollegin eines Fachmagazins über seine Strategie der absoluten Offenheit, über versenkte Milliarden, die fehlende Glaubwürdigkeit seines Vorgängers sowie die Pannen des früheren und des jetzigen Managements. Bildreich schilderte er, bei welchen Entscheidungen seines Vorstandsvorsitzenden er „die Stirn gerunzelt“ und bei welchen er den „Kopf auf die Tischplatte geschlagen“ hat, wann sich der Technikchef unglücklicherweise nicht an die von ihm vorgeschriebene Formulierung gehalten hat und dass „kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist... Garantien für diesen Flughafen“ gibt.

Nichts davon klingt wirklich falsch. Aber in den offenen Worten stecken nicht nur Wahrheiten, sondern auch Zumutungen: In einem gut geführten Unternehmen wird kritisiert, auch hart, aber intern. Auch fragt man sich, was wohl diejenigen von dem flotten Medikamentenspruch halten sollen, die Garantien für diesen Flughafen tatsächlich geben müssen, nämlich die Gesellschafter im laufenden EU-Beihilfeverfahren. Die Äußerungen können also durchaus geschäftsschädigend sein.

Ein bisschen viel auf einmal: zu wenig sensibel, zu naiv

Wie konnte das nur passieren? Wahrscheinlich so: Ein etwas zu ausgeprägtes Selbstbewusstsein, Freude an der Inszenierung, das vermeintlich sichere Gefühl der Protektion durch Aufsichtsratschef Michael Müller (zu dessen Protektion er geholt worden war), die trügerische Randöffentlichkeit eines PR-Fachmagazins, bei dem es sich scheinbar ungezwungen plaudern lässt. Ein bisschen viel auf einmal: zu wenig sensibel, zu naiv. Dennoch hätte dem Management mehr Souveränität gutgetan. So steht, gerade wegen der offenen Worte über die unzweifelhaften Fehler, der Eindruck im Vordergrund, dass am BER der Schein noch immer wichtiger ist als das Sein. Die Glaubwürdigkeit, die der neue Sprecher herstellen wollte, hat sich mal wieder erledigt.

Wie lange er den Job machen wolle, wurde der Sprecher am Ende des Interviews gefragt, seine Antwort: „Bis zur Eröffnung, wann auch immer, werde ich dabei sein.“ Das kommt ins Archiv unter „Täuschung und Selbsttäuschung am BER“.

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