Berlin-Kreuzberg : Neue Bleibe für Szeneladen „M 99“

Der linksalternative Kreuzberger Szeneladen "M99" zieht um. Vorausgegangen war ein dramatischer Rechtsstreit und heftige Proteste.

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Hans Georg Lindenau vor seinem "Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf" in der Kreuzberger Manteuffelstraße.
Hans Georg Lindenau vor seinem "Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf" in der Kreuzberger Manteuffelstraße.Foto: Mike Wolff

Der linksalternative Kreuzberger Szeneladen „M99 – Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf“ hat nach langer Suche neue Räumlichkeiten gefunden. Seit 1985 betrieb der querschnittsgelähmte Hans Georg Lindenau den Laden in der Manteuffelstraße 99 und lebte auch in diesen Räumen. Nach langem Rechtsstreit haben seine Anwälte nun mitgeteilt, dass Lindenau zum 1. Mai 2017 einen Mietvertrag mit der „Stiftung Umverteilen“ unterzeichnet hat und bis zum 1. Juni in vergleichbare Räume in der Falckensteinstraße 46 zieht.

Räumung in letzter Sekunde ausgesetzt

Dem friedlichen Umzug war ein dramatischer Rechtsstreit vorausgegangen. Im August 2016 hatte ein Amtsgericht bereits ein Räumungsurteil ausgesprochen, ein Gerichtsvollzieher hatte Lindenau bereits in seinen Räumen aufgesucht. Daraufhin gab es heftige Protesten von Kreuzberger Kiezinitiativen. Lindenaus Anwälte konnten einen Räumungsaufschub bis September erwirken. Erst in letzter Sekunde – die Polizei hatte den Laden bereits mit Gittern abgesperrt – setzte das Landgericht dann den Beschluss des Amtsgerichts aus. „Wir konnten das Gericht davon überzeugen, dass mit einer Räumung Leib und Leben von unserem Klienten in Gefahr gewesen wären“, sagt Rechtsanwalt Christoph Müller, der Lindenau gemeinsam mit zwei Kollegen vertritt.

"Kreuzberg hält zusammen"

Müller äußerte sich zufrieden mit der jetzt gefunden Lösung. „Der Stadt ist damit viel Ärger erspart geblieben.“ Er berichtet, die Gegenseite habe respektvoll verhandelt und Herrn Lindenau viele Zugeständnisse für den Umzug gemacht. Auch die neuen Räumlichkeiten der „Stiftung Umverteilen“, die Lindenau wieder sowohl als Laden wie auch als Wohnung benutzen kann, seien für seinen Klienten ein Erfolg. Die Stiftung, die laut Müller über „informelle Kanäle“ vom dem Fall erfuhr, setzt sich seit Ende der 80er Jahre laut Eigendarstellung gegen Ausbeutung, Unterdrückung, Diskriminierung und Armut ein. Den Anwalt freut das: „Wenn es hart auf hart kommt, dann hält Kreuzberg zusammen.“

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