Berlin-Marzahn : Angela Merkel besucht Zentrum für Jugendliche

Trotz der Terroranschläge in Brüssel, besuchte Angela Merkel am Dienstag ein Jugendzentrum in Berlin-Marzahn. Die Arbeit des Don-Bosco-Zentrums lobt sie als "Pilotprojekt".

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Bundeskanzlerin Angela Merkel das Don-Bosco-Jugendzentrum in Berlin-Marzahn.
Bundeskanzlerin Angela Merkel das Don-Bosco-Jugendzentrum in Berlin-Marzahn.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Es ist einer dieser Tage, an denen Bilder eines Terroranschlags alles andere zu überlagern scheinen. Dennoch besucht Angela Merkel wie geplant ein Zentrum für arbeitslose Jugendliche in Berlin-Marzahn, bevor sie sich zum Terrorangriff auf Brüssel äußert. Vor dem halbrunden Gebäudeeingang des Don-Bosco- Zentrums am S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße warten Jugendliche in Malerhosen und Küchenkitteln, im Hintergrund steht der grüne Bus des Zentrums. „Ich arbeite an meiner Zukunft“, steht in großen bunten Buchstaben darauf. Merkel schüttelt ein paar Hände, eine junge Frau deutet eine Umarmung an.

Für diese Jugendlichen ist die „Manege“, eine gemeinnützige GmbH, die das Don-Bosco-Zentrum seit mehr als zehn Jahren betreibt, die Hoffnung, dass sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Zwei katholische Orden, die Salesianer Don Boscos und die Heiligenstädter Schulschwestern, stehen hinter dem Projekt.

Viele der etwa 200 Jugendlichen, die an den Projekten der Manege teilnehmen, wurden vom Jobcenter ins Don-Bosco-Zentrum geschickt. Sie sollen dort einen Einstieg in den Arbeitsmarkt und eine berufliche Perspektive finden. Die Jugendlichen arbeiten als Maler und Lackierer, in der Küche, der Haustechnik, in der Holzwerkstatt oder im projekteigenen Friseursalon.

Mit rund 300 Jugendlichen in Kontakt

Manche müssen sich zunächst einmal an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen. Rund 70 Prozent der Jugendlichen verlassen die „Manege“ mit einer beruflichen Perspektive – einem Praktikumsplatz, einer Weiterbildung oder einem Ausbildungsplatz. Selbst diejenigen, die eine Ausbildung beginnen, kämen noch regelmäßig im Don-Bosco-Zentrum vorbei, berichtet Schwester Maria Thoma Dikow, Generaloberin der Heiligenstädter Schulschwestern. „Die Jugendlichen werden weiter von den Menschen begleitet, zu denen sie Vertrauen haben.“ Insgesamt ist die „Manege“ mit rund 300 Jugendlichen in Kontakt.

Das Team aus dem Don-Bosco-Haus wartet aber nicht, bis die Jugendlichen von den Behörden geschickt werden. Der grüne Bus, vor dem sich die Kanzlerin mit den Jugendlichen fotografieren lässt, steht jeden Tag an zentralen Plätzen in Marzahn. Die Jugendlichen finden hier einen Ansprechpartner für Probleme oder Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen.

20 Minuten mehr Zeit als geplant

Beim Gespräch der Kanzlerin mit den Jugendlichen sind keine Kameras, keine Journalisten dabei. Am Ende nimmt Merkel sich 20 Minuten mehr Zeit als geplant, obwohl sie kurze Zeit später im Kanzleramt etwas zu den Terroranschlägen in Brüssel sagen soll. Die Arbeit des Don-Bosco-Zentrums lobt sie als „Pilotprojekt“.

Gerade für junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren gebe es nicht mehr so viele Angebote, hier müsse ein neuer gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, „damit junge Menschen nicht auf Dauer auf Hartz IV angewiesen sind“, sagt Merkel. Es sei wunderbar zu sehen, wie die Helferinnen und Helfer den jungen Menschen „das beibringen, was nötig ist“, und ihnen Orientierung geben. „Das können wir durch kein Gesetz regeln.“

Als die Kanzlerin ins Auto steigen will, steht ein Dutzend Demonstranten mit einer Deutschlandfahne hinter der Absperrung. Doch ihre Buh-Rufe sind fast gar nicht zu hören, weil die Jugendlichen aus dem Don-Bosco-Zentrum so laut johlen und klatschen. „Hast du jetzt eigentlich dein Selfie mit Merkel gekriegt?“, fragt einer. Ja, sagt ein junger Mann in weißem Kittel und hält stolz sein Handy hoch.

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