Berlin plant neue Plattenbauten : Modulbauten für Flüchtlinge sollen 90 Jahre halten

Die Modulbauten für Flüchtlinge sollen nach Berlin kommen. Innerhalb eines Jahres sollen die Häuser errichtet werden können. Lego mit Stahlbeton-Fertigteilen.

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Holzkonstruktionen
Module Bauweisen gibt es auch aus Holz. In Neuruppin produziert die Firma Opitz Holzbau GmbH Häuser für Flüchtlinge.Foto: dpa

Nein, Containerdörfer plant der Senat nicht, aber Plattenbauten sehr wohl mit seinen „Modulbauten“ für Flüchtlinge, für deren Bau bereits in zwei Wochen die vorbereitenden Maßnahmen erfolgen sollen. Das böse Wort aus DDR-Zeiten will zwar niemand in den Mund nehmen, aber die Wände bestehen wie damals aus fabrikfertigen Stahlbetonteilen; auch die Treppenhäuser sind aus dem steinharten Baustoff und werden auf dem Tieflader zur Baustelle gefahren. Legostecken im Großformat, im Grunde genommen, zumal Innenwände aus Rigips-Platten eher die Regel sein werden als die Ausnahme.

Durch diese „Typisierung“ kann die Bauverwaltung schnell kleine Siedlungen für die Neu-Berliner aus Kriegsgebieten errichten: Solche Häuser müssen die Bauämter nicht einzeln prüfen, sie haben ähnlich wie das Serienmodell eines Autoherstellers alle Checks bereits durchlaufen – von der Statik bis zum Brandschutz. Das spart Zeit: Bereits Ende des Jahres soll die erste modular errichtete Gemeinschaftsunterkunft öffnen mit Platz für 450 Menschen – Fertigstellung in nicht mal einem Jahr, statt wie üblich mehr als zwei Jahre.

Nutzung als Gemeinschaftsunterkünfte

Bis zu sechsgeschossige Häuser sind so möglich, halten sollen sie so lange wie konventionelle Bauten: 90 Jahre etwa. Zunächst sehen die Planer eine Nutzung als Gemeinschaftsunterkünfte vor, wobei ein Viertel der Flächen als Wohnungen für Menschen mit Kindern geplant ist. Der Rest sind größere Flächen, in denen die Flüchtlinge WG-artig zusammenleben. Drei oder mehr Modulhäuser ordnen die Planer um eine Gemeinschaftseinrichtung an mit Großküche, Schulungsräumen, Büros und Arzträumen.

Mit fünf Herstellern solcher Bausysteme führte der Senat Gespräche: Algeco, Goldbeck, Alho, Kleusberg, Erne, die Voraussetzungen waren: „Die Zahl der notwendigen Stützen im Innenraum wurde so weit wie möglich reduziert. Die Außenwand ist innenseitig glatt und lässt Wandanschlüsse an jeder Stelle zu. Die Decken lassen nachträgliche Durchbrüche zu.“ Damit sollen die Häuser sowohl etagenweise unterschiedlich genutzt werden können – etwa mit Wohnungen im Erdgeschoss und Zwei-Bett-Zimmern in den Obergeschossen – als auch die Häuser später anders: Als Hotels, Studentenwohnheime oder konventionelle Wohnungen, heißt es beim Senat.

Energieschleudern sollen die „Sonderbauten zur Unterbringung von Personen“ übrigens nicht werden: Die Energieeinsparverordnung von 2013 sollen sie um 30 Prozent unterbieten.

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