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Berlin-Prenzlauer Berg : Die Staatsoper vom Wasserturm

Ein Spielplatz im Kollwitzkiez ist seit Monaten gesperrt. Kommunikation durch das Bezirksamt? Mangelhaft. Die Eltern widersetzen sich.

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Kein TÜV: Der neue Rutschturm wurde zu tief in den Boden gebaut.
Kein TÜV: Der neue Rutschturm wurde zu tief in den Boden gebaut.Foto: Laura Hofmann

Endlich wieder Sonne, endlich wieder draußen Spielen. Für die sommerlichen Temperaturen ist an diesem Nachmittag vor anderthalb Wochen auf dem Spielplatz am Wasserturm im Kollwitzkiez in Prenzlauer Berg erstaunlich wenig los. Nur etwa zehn Kinder tummeln sich auf dem schattigen Areal auf Schaukeln, Wippen und dem neuen Rutschturm.

Doch sie und ihre erwachsenen Begleiter sind eigentlich illegal hier: Der Spielplatz ist offiziell gesperrt, und das schon seit Mai vergangenen Jahres – mit kurzen Unterbrechungen. Wer trotzdem rein will, muss klettern. Kein Kunststück, denn die Zäune, die das Gelände umsäumen, sind sehr niedrig. An der Bauabsperrung hängt ein Schild. „Baustelle, Betreten verboten“, steht da. Und: „Baumaßnahme voraussichtlich bis Ende Juni 2017.“

Klettergerüst und Rutsche waren morsch

Das gehe schon seit Monaten so, erzählt Denise K., die ihren Sohn beim Schaukeln beobachtet. Immer neue Schilder, die immer neue Wiedereröffnungstermine verkünden. Zunächst Ende März, dann Ende April, irgendwann wurde es den Anwohnern zu bunt. „Als einige sich wieder drauf getraut haben, sind wir auch gegangen“, erzählt Simone H., 37, die mit ihrem Sohn häufig herkommt. Schließlich sei augenscheinlich alles in Ordnung, die neue Rutschkombination schon lange aufgebaut. Wegen ihres Vorgängers war der beliebte Spielplatz ursprünglich gesperrt worden.

Die große Kombi aus Klettergerüst und Rutsche war so morsch, dass sie nicht mehr verkehrssicher war. Sie werde im zweiten Halbjahr 2016 ersetzt, hieß es in der Pressemitteilung von Mai vergangenen Jahres, welche die Sperrung des Spielplatzes ankündigte. Aus dem zweiten Halbjahr 2016 wurde Ende April 2017, doch bei der Abnahme des neu gebauten Rutschturms stellte der TÜV fest: Er war zu tief in den Boden gebaut worden. Nach Gesprächen mit der beauftragten Firma und dem Hersteller – so die Erklärung aus dem Bezirksamt – wurde deutlich: Es gab keine andere Lösung, als das Gerät nochmal auszubuddeln und neu einzubauen. Das dauerte zwei Monate, mittlerweile war es Ende Juni. Nun war ja eigentlich alles fertig, es fehlte nur noch ausreichend „Fallschutzmaterial“, Behördensprech für Rindenmulch und Sand.

„Uns fehlt an allen Ecken und Enden Personal“

Doch Ende Juni regnete es in Berlin so stark, dass die Mitarbeiter des Straßen-und Grünflächenamts – normalerweise zuständig für die Beschaffung ebendieses „Fallschutzmaterials“ – mit der Beseitigung der Sturmschäden beschäftigt waren. „Uns fehlt an allen Ecken und Enden Personal“, klagt eine Mitarbeiterin der Behörde. Zudem sei Urlaubszeit, was die Personallage weiter verschärfe.

Noch am vergangenen Dienstag versicherte sie allerdings, der Spielplatz würde in den kommenden Tagen wieder eröffnet. Am Freitag stand dann auf der Webseite des Bezirks: „Sperrung bis voraussichtlich Ende 2017“. Aus dem Bezirksamt heißt es dazu: Ab Herbst seien weitere Baumaßnahmen geplant, bei denen andere Spielgeräte erneuert werden sollen. „Dadurch kam es offensichtlich zu einer fehlerhaften Eintragung in der Liste“, teilt eine Mitarbeiterin im Auftrag des Bezirksstadtrats für Stadtentwicklung, Vollrad Kuhn, mit.

Der Stadtrat selbst meldete sich nach Veröffentlichung des Artikels am Montag beim Tagesspiegel und kündigte an, den Spielplatz mit Priorität soweit herzustellen, dass er wenigstens bis zur erneuten Schließung im Herbst wieder geöffnet werden kann. Das Fallschutzmaterial sei inzwischen eingetroffen, die Bauzäune sollten möglichst noch am Montag abgebaut werden.

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