Berlin-Schöneberg : Zwei Jugendclubs kämpfen um ihre Existenz

Der Mietvertrag der alteingesessenen Zentren "Potse" und "Drugstore" läuft Ende des Jahres aus. Der Bezirk sucht Lösungen, die Betreiber fordern den Rückkauf des Gebäudes.

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Lautstark. Protestkonzert für die „Potse“ und den „Drugstore“.
Lautstark. Protestkonzert für die „Potse“ und den „Drugstore“.Foto: F. Boillot/Davids

Wieder sind es steigende Mieten, die den Erhalt von Jugendclubs bedrohen – diesmal in Schöneberg. Die "Potse" und der "Drugstore", zwei selbstverwaltete Jugendzentren, existieren seit den frühen Siebziger Jahren in der Potsdamer Straße 180 und sind längst Institutionen im Kiez. Unterstützt von ebenso traditionsreichen Punkbands demonstrierten am Sonnabend rund 300 Menschen für ihren Erhalt.

Hintergrund ist das Ende der voraussichtlich letzten Mietvertragsverlängerung zum 31. Dezember 2017. Das Gebäude gehörte bis 1987 dem Bezirk, bevor es aus finanziellen Gründen verkauft wurde. Schon 2015 gab es langwierige Verhandlungen zwischen Bezirk und Eigentümer wegen einer Mieterhöhung, damals konnte eine Mietverlängerung von zwei Jahren ausgehandelt werden.

Aktuell ist eine Verlängerung des Mietverhältnisses um weitere zwei Jahre in Verhandlung. Zuständig ist Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD). Der Bezirk möchte bis zu den Haushaltsverhandlungen im September 2017 möglichst konkrete Zahlen zur Miethöhe haben.

Kevin Kühnert, jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in Tempelhof-Schöneberg, warnt, dass der Bezirk „keine ins Unermessliche steigenden Mietpreise“ für die Räumlichkeiten stemmen können wird, auch damit andere Angebote der Jugendarbeit finanziert werden können. Kühnert stellt sich auf schwierige Verhandlungen ein: Der Eigentümer möchte das Gebäude lieber als Ganzes vermieten und der Quadratmeterpreis sei schon jetzt „an der Schmerzensgrenze“.

Die Suche nach neuen Räumen ist schwierig

„An erster Stelle wollen wir die Einrichtung erhalten“, sagt Kühnert. Man müsse aber darauf vorbereitet sein, dass der Eigentümer die Verhandlungen eigenmächtig beendet und die Zentren eventuell Ende des Jahres aus dem Gebäude ziehen müssen. „Deshalb schauen wir uns schon jetzt nach anderen Lösungen um, die so nah dran und so gut geeignet wie möglich sind.“

Die Suche ist schwierig, viele Räumlichkeiten sind zu klein oder für laute Konzerte ungeeignet. Kühnert ist sich auch bewusst, dass die Zentren im Kiez historisch verortet sind, daher kommt ein Standort am Stadtrand nicht infrage.

"Potse" und "Drugstore" haben in den jetzigen Räumlichkeiten 864 Quadratmeter zur Verfügung, in denen sie zahlreiche Aktivitäten kostenfrei anbieten – von Konzerten über eine Foto- und Siebdruckwerkstatt bis zu Programmen für Geflüchtete. Die Verantwortlichen sind wenig zuversichtlich, dass der Bezirk alternative Flächen finden wird, in denen sie ihr Angebot im selben Maße fortführen können. Für sie ist die einzige Lösung der Rückkauf der Räumlichkeiten durch den Bezirk.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version von Schlagzeile und Teaser wurde suggeriert, dass das Ende der Jugendclubs schon besiegelt sein könnte. Das ist durch den Text nicht gedeckt, weshalb wir beides inzwischen angepasst haben.

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