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Berlin-Übersicht : Wo illegaler Müll abgeladen wird - Bezirk für Bezirk

Bürger kippen ihren Dreck einfach auf die Straße. Dessen Beseitigung kostet Berlin Millionen. Das Problem ist in den Bezirken unterschiedlich groß.

von und Lilith Grull
Zeuge einer wilden Nacht und Müllhalde mitten in der Stadt.
Zeuge einer wilden Nacht und Müllhalde mitten in der Stadt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auf dem Gehweg der Bergmannstraße in Kreuzberg stapelt sich Unrat. Offenbar wurde hier der Müll der allerletzten Weihnachtsfeier entsorgt. Leere Weinflaschen, 40 alte Obstkisten, Tannenzweige quellen aus weißen Säcken. Auf der Facebookseite der Bergmannstraße – dort haben sich Anwohner und Händler vernetzt – ist der Ärger groß.

Der Dreck liegt dort schon seit einer Woche herum, und nicht nur in dieser prominenten Ecke muss nun die Berliner Stadtreinigung ausrücken. In den vergangenen drei Jahren kostete die Beseitigung von illegal abgeladenem Müll das Land mehr als elf Millionen Euro, die der BSR überwiesen wurden. Angezeigt werden, können diese Fälle seit 2015 über das Onlineportal ordnungsamt.berlin.de. Den Anfang machte im Sommer 2015 Lichtenberg. Mittlerweile haben fast alle Bezirke nachgezogen – nur in Steglitz-Zehlendorf sei das Meldeportal noch „in Vorbereitung“. Auf eine jetzt veröffentlichte Anfrage der Abgeordneten Katrin Vogel (CDU) hat die Senatsinnenverwaltung geantwortet: Das Land zahlte für die Müllentsorgung 2015 3,94 Millionen Euro und 2016 bis Ende November 3,79 Millionen Euro; eine Aufschlüsselung nach Bezirken sei nicht möglich.

Besonders schlimm ist es in den Innenstadtbezirken. Allein in Mitte wurden im vergangenen Jahr 13 000 „Abfall-Anliegen“ auf den Straßen gemeldet. 9400 Mal ging es um Bio- und Sperrmüll, 2500 Mal um Elektroschrott, 400 Mal waren es Bauabfälle. 52 Autowracks wurden ebenfalls registriert. In Mitte waren die „Schwerpunkte illegaler Müllentsorgung“ Moabit, Wedding und Gesundbrunnen. Ebenfalls schlimm ist, wie berichtet, die Situation in Neukölln, wo 10 000 Fälle gemeldet worden sind, „insbesondere in Neukölln-Nord“. Zum Vergleich: Aus Reinickendorf kamen knapp 2500 Anliegen (darunter „25 Tierkadaver“ und „101 Autowracks“). Bezirke wie Charlottenburg- Wilmersdorf nannten hingegen nur die Schwerpunkte illegaler Müllentsorgung („Bundesallee, Düsseldorfer Straße...“). Im Friedrichshain-Kreuzberg gelten die Straßenzüge Boxhagener Straße, Rigaer Straße sowie Görlitzer Straße mit jeweils mehr als 100 Meldungen seit September 2016 als Schwerpunkte illegaler Müllentsorgung.

Die Berliner Stadtreinigung lässt Sperrmüll auch abholen, sagte eine Sprecherin. Für 50 Euro werden fünf Kubikmeter Müll aus privaten Haushalten mitgenommen. Lilith Grull

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