Berlin-Weddiing : Kinderbauernhof: Farm-Leiter muss gehen

Kinderfarm vor dem Aus: Der Betreiber muss seine Wohnung fristlos räumen.

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Die Kinderfarm in Wedding, hier bei der Aktion Saubere Sache 2012.
Die Kinderfarm in Wedding, hier bei der Aktion Saubere Sache 2012.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Siegfried Kühbauer hat verloren. Das Amtsgericht Wedding urteilte am Mittwochnachmittag, dass der 67-Jährige das "Zivi-Zimmer" auf dem Gelände des "Kinderbunten Bauernhofs" an der Luxemburger Straße räumen muss, und zwar sofort, ohne Frist, und dass er auch niemand anderem den Besitz einräumen darf. Kühbauer zeigte sich am Donnerstag entsetzt über das Urteil und kündigte an, Berufung einzulegen; erst müsse er sich aber die Urteilsgründe anschauen.

Wie berichtet, hatte Kühbauer jahrzehntelang den Kinderbauernhof geführt, der damals noch "Weddinger Kinderfarm" hieß. Er hat das auch soweit gut gemacht, bis es plötzlich Probleme mit den Abrechnungen gab. Laut Bezirk wurde für eine Zuwendung über 170.000 Euro kein korrekter Verwendungsnachweis erbracht; da es sich aber um Steuergeld handelt, besteht eine Pflicht zur Rechenschaft. Laut Bezirk habe man viel guten Willen gezeigt, immer wieder Nachfristen gesetzt, aber irgendwann habe man dann einfach kündigen müssen. Da der Verein nach der Kündigung nicht wich, wurde er im Sommer geräumt.

Der Streit zwischen Stadt und Kinderfarm eskalierte immer weiter

Kühbauer widersetzte sich, indem er kurz vorher das "Zivi-Zimmer" als seine Wohnung anmeldete. So durfte er zunächst bleiben, aber das Farmgelände nicht mehr betreten. Bekannt wurde der Vorgang, weil der Bezirk erst Striche malen ließ, innerhalb derer sich Kühbauer zu bewegen hatte, wenn er zu seiner "Wohnung" wollte; später wurden sogar Zäune aufgestellt. Der Streit eskalierte immer weiter; für Deeskalation scheint Kühbauer kein Talent zu haben. Er greift gerne in die Kiste mit den ganz großen Begriffen, spricht von "Menschenrechtsverletzungen", "Enteignung" und zieht Vergleiche mit Nazideutschland. Weitere Prozesse folgen ohnehin. Unter anderem verlangt der Bezirk das gezahlte Geld zurück.

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