Berliner Flughafen : Am BER muss endlich Klarheit über Verzögerungen her

Schon wieder platzt am BER ein Termin für die Eröffnung. Die Verantwortlichen haben die Baustelle noch immer nicht im Griff. Ein Kommentar.

Keine Spur von Eröffnung. Der BER liegt weiter uneröffnet vor den Toren der Stadt.
Keine Spur von Eröffnung. Der BER liegt weiter uneröffnet vor den Toren der Stadt.Foto: dpa

Am neuen Berliner Flughafen, an dem seit mehr als einem Jahrzehnt gebaut wird, beginnt das Jahr 2017 mit einer Nachricht, die fassungslos macht: Die Automatiktüren im neuen Terminal funktionieren nicht, und die Sprinkler-Anlage wohl auch nicht. Die Türen, wie 2012? Und die Sprinkleranlage, also wieder der Brandschutz? Und alles urplötzlich, superüberraschend? So, so.

Aber nehmen wir einmal an, das stimmt. Nehmen wir einmal an, dass tatsächlich irgendwann zwischen Weihnachten 2016 und Jahresbeginn bei den Tests im Terminal das neue Desaster festgestellt worden ist, das sich einreiht in eine lange BER-Mängelliste, die in diesem Schrottbau vom Kabelsalat über die Entrauchungsanlage bis zu Fenstermotoren reicht. Nehmen wir einmal an, dass Flughafenchef Karsten Mühlenfeld und Berlins Regierender Michael Müller als Aufsichtsratschef die Panne nicht verheimlicht haben.

Wenn das so ist, dann hat der Flughafen samt Chefaufseher und seinen staatlichen Eigentümern Berlin, Brandenburg und Bund ein viel dramatischeres Problem: Nach fast fünfjährigen Sanierungsexperimenten stimmen Steuerungs- und Controllingsysteme immer noch nicht, haben das Management samt Technikchef Jörg Marks die Baustelle immer noch nicht im Griff. Und auch nicht der Aufsichtsrat, nicht die Politik. Dazu kommt dieser fatale Eindruck: Gerade als Baustelle ist der BER für zu viele eine Lizenz zum Gelddrucken. Jeder Monat Verzögerung ist profitabel für Firmen, Planer, Sachverständige, Hände auf am BER, zahlt ja die öffentliche Hand.

Was zu tun ist? Reiner Tisch, Klarheit, schnell, um wie viele Monate sich nun wieder alles verzögert, Regress gegen die Pfusch-Firma. Die Bauarbeiten sollten im März 2016 fertig sein, dann im Sommer, zuletzt im Januar. Alle Verantwortlichen wissen, oder könnten es wissen, auch Michael Müller, dass der neue Flughafen 2017 nicht eröffnet werden kann. Das war schon vorher so. Es ist überfällig, dass Mühlenfeld und der Aufsichtsrat diesen Phantom-Termin endlich beerdigen. Der BER wird wohl nicht vor Herbst 2018 eröffnet werden können. Vielleicht. Böse Überraschungen jederzeit möglich.

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