Berliner Sitz der Top-Spione : BND-Neubau kommt später und wird teurer

25.06.2012 17:12 Uhrvon
Der Eingang zur Baustelle der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin. Foto: dapd
Der Eingang zur Baustelle der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin. - Foto: dapd

Nun ist es offiziell: Der BND- Neubau an der Chausseestraße in Berlin wird noch einmal teurer als gedacht. 1,405 Milliarden Euro soll das Großprojekt nun am Ende kosten - und es wird erst 14 Monate später als geplant fertig.

Mehr als 1,4 Milliarden Euro kostet der BND-Neubau. Aber in dieser Summe ist die neuerliche Verzögerung des Projekts noch gar nicht einkalkuliert. Deshalb gehen Experten von noch höheren Gesamtkosten aus. Damit bestätigen sich Schätzungen von Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, der bereits im Januar die Gesamtkosten von Umzug und Neubau mit 1,5 bis zwei Milliarden Euro beziffert hatte.

Bewusste Fehlinformation wollte der CDU-Politiker nicht unterstellen. „Ich gehe nicht davon aus, dass man bei der Planung des Umzuges schon wusste, dass die Kosten doppelt so hoch sein würden wie geschätzt und dass uns bewusst falsche Zahlen genannt wurden“, sagte er. Der Linken-Abgeordnete Jan Korte sagte dagegen: „Bei Bauvorhaben des Bundes wird seit eh und je hemmungslos mit Kostenprognosen getrickst.“ Der BND-Neubau unterliege offenbar überhaupt keiner Kostenbegrenzung.

Gemessen an der ursprünglichen Schätzung haben sich die Gesamtkosten für das Großprojekt an der Chausseestraße und den Umzug der Topspione vom Bayerischen Pullach nach Berlin inzwischen verdoppelt. Schuld daran sind Pannen auf der Baustelle, Umplanungen und ein Beschluss der Regierung, der – ähnlich wie nach der Vereinigung mit vielen Ministerien geschehen – die Behörde aufspaltet und auf zwei Dienstsitze verteilt.

Und die Abschlussrechnung für das Großprojekt liegt immer noch nicht vor: „Die Zusatzkosten für die Bauzeitverzögerung verschweigt die Bundesregierung nach wie vor“, sagt Jan Korte für die Linke im Bundestag. Und Wolfgang Bosbach (CDU) sagte auf Anfrage, „dass die Kostenschätzung viel zu optimistisch war. Realistisch wäre besser gewesen.“ Bosbach hatte frühzeitig auf die mit dem Umzug verbundenen Finanzrisiken hingewiesen und rechnet unverändert mit Gesamtkosten zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro.

Bilder vom Neubau der BND-Zentrale:

Eine Ursache für die Verspätung bei der Fertigstellung des Großprojektes sind die Mängel bei den „Raumlufttechnischen Anlagen“. Diese waren nicht Din-gerecht eingebaut worden und nachdem sich die bauausführende Firma geweigert hatte, die Arbeit sachgerecht durchzuführen, hatte ihr das für den Bau zuständige Bundesamt für Bauwesen den Vertrag gekündigt. Nun sind andere Firmen eingesprungen. Die Folgen: Die Kosten für diese Arbeiten verdoppelten sich nahezu von ursprünglich zwölf Millionen Euro auf 23,5 Millionen Euro.

Noch schwerer wiegt allerdings die Verzögerung des Projektes infolge des Streits mit der gekündigten Firma: Bevor die Klimatechnik nicht fertiggestellt ist, können nachfolgende Arbeiten zunächst nicht durchgeführt werden – und aus dieser Verzögerung leiten die beauftragten Unternehmen Schadensersatzansprüche ab. „Jede Bauzeitverzögerung führt zu Zusatzkosten, auch beim BND-Neubau“, fasst Bosbach das Dilemma zusammen.

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