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Berliner Weltreisende : Heidi Hetzers Triumphzug vorm Brandenburger Tor

"Ihr habt ja alle 'ne Meise!" ruft Heidi Hetzer, als sie am Sonntag bei der Rückkehr von ihrer Weltreise die vielen Fans sieht. Und dann kullern Tränen.

Lotta-Clara Löwener
Bejubelt und fotografiert wie ein Star. Heidi Hetzer und Oldtimer Hudo am Brandenburger Tor.
Bejubelt und fotografiert wie ein Star. Heidi Hetzer und Oldtimer Hudo am Brandenburger Tor.Foto: dpa, Jörg Carstensen

Eine Berliner Ikone ist am Sonntagmittag zu Gast im Hotel Adlon am Pariser Platz. Ein paar irische Touristen am Straßenrand verstehen den Tumult überhaupt nicht. Sie halten vergeblich Ausschau nach dem schillernden Star, auf den die riesige Menschenmenge vor dem Hotel in der Sonne zu warten scheint.

Als eine ältere Dame plötzlich in einem noch älteren Wagen Unter den Linden und dann am Brandenburger Tor entlangfährt und die Leute jubelnd und Fähnchen schwenkend ihr entgegen klatschen, sind die Iren ganz verblüfft. Es ist: Heidi Hetzer. Sie ist in ihre Heimatstadt zurückgekehrt.

Die 79-Jährige klettert gleich auf die Motorhaube

Nach über zweieinhalb Jahren und rund 84.000 Kilometern, wird die Berliner Weltumfahrerin am Sonntag wie berichtet von ihren Fans und der Familie empfangen. Um einen besseren Überblick zu bekommen, klettert die wendige 79-Jährige auf die Motorhaube ihres stetigen Wegbegleiters „Hudo“. Mit dem Oldtimer der Marke „Hudson Greater Eight“ reiste sie von Land zu Land. Jetzt hält er auch stand, wenn sie von der Haube in die Menge ruft „Ihr habt ja alle ’ne Meise!“

Heidi Hetzer fährt um die Welt
Heidi Hetzer kommt nach ihrer Weltreise mit ihrem Oldtimer Hudo in Berlin an.Weitere Bilder anzeigen
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12.03.2017 17:47Heidi Hetzer kommt nach ihrer Weltreise mit ihrem Oldtimer Hudo in Berlin an.

Sie traut ihren Augen nicht, so viele Menschen wollen sie willkommen heißen. Von oben erkennt sie gleich Freunde und Bekannte in der ersten Reihe: „Ach Kutte, man sind deine Haare aber grau geworden.“ Und dann ist sie noch gerührter, als sie ihren Arzt Claudio Schlegtendal in der Menge erblickt. Er habe ihr den Krebs weg operiert, als sie ihre Weltreise für die Behandlung unterbrechen musste. Immer wieder wiederholt sie: „Ich bin doch eine ganz normale Frau“ – und sucht in ihrer Jacke vergeblich nach einem Taschentuch für die Tränen. Die kullern der waschechten West-Berlinerin nun über die Wangen. Zum Glück reichen ihr gleich mehrere Hände ein paar Tücher.

Was sie auf der Reise gelernt hat: „Die Welt ist toll! Ihr müsst raus, raus, raus – nicht mit dem Arsch vor dem Fernseher sitzen!“, ruft sie der Menge zu.

Staatssekretärin bringt Heidi Hetzer auf den neuesten Stand

Mit einer Rennfahrertrophäe posiert sie erst für Fotos, dann rollt sie mit Hudo langsam weiter zur Terrasse des Adlon. Dort begrüßt sie Staatssekretärin Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund, im Namen des Senats. Dabei wird Heidi erstmal auf den neuesten Stand gebracht: Frank-Walter Steinmeier ist in Kürze Bundespräsident und Hertha BSC spielt wieder ziemlich gut.

Viel ist passiert in ihrer Abwesenheit, doch sie lässt kaum Zeit verstreichen und erzählt gleich erste Anekdoten. In Bolivien sei sie 100 Kilometer auf einem Trittbrett mitgefahren, als Hudo streikte. In Australien hatte sie nachts versehentlich 50 Meter vor einem Abgrund geparkt.

Dicht gedrängt lauschen ihre Fans gebannt, viele halten ihr Bilder zum Signieren hin. „Da muss man so lange weg fahren, damit man wieder interessant wird“, sagt Heidi Hetzer. Pläne für die Zukunft habe sie schon in petto, jetzt will sie aber erstmal richtig ankommen und sich Zeit für die Familie nehmen. Sobald es kalt in Deutschland wird, will sie aber wieder weg und auf Tour sein. Zumindest, so lange es ihr gesundheitlich gut geht.

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