Berlins Ordnungshüter : Einsatz ohne Tschako

Die in der Silvesternacht eingesetzten Polizisten haben allen Respekt verdient, findet unser Autor. Über alte Witze darf man sich aber trotzdem noch amüsieren. Eine Glosse.

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Polizisten in der Silvesternacht am Brandenburger Tor auf der Festmeile.
Polizisten in der Silvesternacht am Brandenburger Tor auf der Festmeile.Foto: Jens Kalaene/dpa

Der Tschako war eine Kopfbedeckung mit martialischer Tradition, mehr Helm als Hut und bei der Polizei noch immer im Gebrauch, als das Militär ihn längst ausgemustert hatte. Rebellischen Kreisen galt er zuletzt geradezu als Symbol des repressiven Obrigkeitsstaates, der aber mittlerweile selbst zum alten Hut erklärt wurde. Wie hat sich doch das Image der Polizei gerade auch in Berlin über die Jahrzehnte gewandelt.

Na gut, vielleicht nicht in der Rigaer Straße und vergleichbaren Winkeln der Stadt, ansonsten aber, so scheint es, ist der allgemein goutierte Sponti-Ulk der Hausbesetzer-Zeiten („Pop! Stolizei!“) einer respektvollen Haltung gegenüber der verantwortungsvollen, gleichwohl oft nicht attraktiven Arbeit der Ordnungshüter gewichen.

Denn es macht bestimmt keinen Spaß, rücksichtslose, vielleicht schon volltrunkene Böllerer zur Raison zu rufen und auf Provokationen ebenso besonnen wie weise zu reagieren. Und es hat schon etwas Mitleid Erregendes, eine Partymeile mit unzähligen Feierwütigen unter Kontrolle halten und zugleich gegen eventuelle Mordbuben schützen zu müssen, während man sich doch viel lieber selbst der Lebenslust hingeben und sich zum Jahreswechsel ein wenig die Nase begießen würde.

Etwas wie Dankbarkeit ist da durchaus angebracht, was ja nicht ausschließt, sich weiter über alte Sponti-Witze und ähnliches zu amüsieren – aber mit Respekt.

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