Berlin-Wilmersdorf : Imbissbude aus „Der Himmel über Berlin“ muss weg

Prominente schätzten die Currywurstbude an der Bundesallee, Wim Wenders ließ hier Peter Falk nachts Kaffee trinken. Doch seit sechs Jahren steht sie leer, nun will der Bezirk sie abreißen.

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Die Currywurst kommt nicht zurück. Nach langem Leerstand muss die Imbissbude am U-Bahnhof Güntzelstraße weichen.
Die Currywurst kommt nicht zurück. Nach langem Leerstand muss die Imbissbude am U-Bahnhof Güntzelstraße weichen.Foto: Cay Dobberke

Mehr als 35 Jahre lang galt „Berlin & Friends“ an der Bundesallee / Ecke Trautenaustraße in Wilmersdorf als einer der besten Currywurstanbieter Berlins. Zu den prominenten Gästen des rot-weißen Imbiss-Standes vor der Shell-Tankstelle und neben dem Eingang zum U-Bahnhof Güntzelstraße gehörten Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, die TV-Moderatoren und Entertainer Harald Schmidt und Jürgen von der Lippe, die Schauspieler Bruno Ganz und Otto Sander und Regisseur Wim Wenders. Letzterer drehte dort sogar für seinen Film „Der Himmel über Berlin“, wie ein aufgeklebtes Szenenfoto mit US-Schauspieler Peter Falk an der Bude beweist.

Eberhard Diepgen plauderte mit der Pächterin

Aber diese ist längst geschlossen und wird nun auch bald abgerissen. Eberhard Diepgen, der in der Umgebung nahe dem Prager Platz wohnt, erinnert sich gerne an die alten Zeiten: „An der Currywurstbude habe ich früher oft nach dem Abendspaziergang oder nach der Heimfahrt mit der U-Bahn eine Curry gegessen und kurz zum Wetter oder der politischen Lage mit der Besitzerin geplaudert. Die Wurst war überdurchschnittlich gut.“ Die langjährige Pächterin Christine Mehling sei „insbesondere stolz auf das Foto mit Richard von Weizsäcker“ gewesen, das bis heute außen neben der geschlossenen Theke zu sehen ist.

Monika Diepgen war ebenfalls angetan von der Imbissbude: „Meine Frau konnte mit Hinweis auf die Curry am U-Bahneingang auch leichter zum Abendspaziergang motiviert werden“, erzählt Eberhard Diepgen.

Eine Mitarbeiterin der Tankstelle schätzt, dass der Imbiss seit mindestens sechs Jahren leer stehe. Pächterin Mehling hatte sich schon 2008 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen, danach ging es nur noch kurze Zeit unter neuer Führung weiter.

Die Genehmigung ist erloschen

Jetzt wurde durch eine Anfrage der Grünen-Politikerin Susan Drews in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf bekannt, dass Ämter erfolglos versucht haben, den heutigen Eigentümer zu kontaktieren. Dieser reagiere aber nicht auf eine Aufforderung zum Abriss der Bude, sagte Baustadtrat Marc Schulte (SPD). Deshalb werde die Verwaltung selbst veranlassen, dass die Bude in den kommenden Wochen wegkommt. Für die Gehwegnutzung gebe es schließlich „keine Sondererlaubnis mehr“.

Da in der jüngsten BVV-Sitzung auch um Baudenkmale im Bezirk diskutiert worden war, stellte Schulte klar, den Imbiss könne man beim besten Willen nicht unter Denkmalschutz stellen. Diese Bemerkung „war aber auch nur als Scherz gemeint“, sagte er später.

Filmreif. Eines der Szenenfotos aus „Der Himmel über Berlin“ zeigt Peter Falk an der Imbisstheke (rechts unten).
Filmreif. Eines der Szenenfotos aus „Der Himmel über Berlin“ zeigt Peter Falk an der Imbisstheke (rechts unten).Foto: Cay Dobberke

In „Der Himmel über Berlin“ gibt es gleich zwei Szenen mit Peter Falk an Berliner Imbissbuden – eine am U-Bahnhof Güntzelstraße und die zweite am einstigen Anhalter Bahnhof. Im Film stellt der zuvor als „Inspektor Columbo“ berühmt gewordene Schauspieler sich selbst dar, es wird aber zugleich deutlich, dass auch er früher einmal ein Engel gewesen sei – so wie die Hauptfiguren Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander).

Ehemaliger Engel stärkt sich mit Kaffee

In der Abendszene am Wilmersdorfer Imbiss isst Falk keine Currywurst, trinkt nur einen Kaffee und raucht eine Zigarette. Doch er führt ein Gespräch mit Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin), in die sich Engel Damien verliebt hat. Marion erzählt Falk, sie suche einen Mann, dessen Namen sie jedoch nicht kenne, sie könne auch nichts zum Aussehen sagen. „Das ist dann wohl ein schwieriger Fall“, folgert Falk.

Schwierig ist es inzwischen aber auch, eine gute Currywurst in dem Wilmersdorfer Kiez zu bekommen – so wie vielerorts in Berlin, wo es statt der berühmten Berliner Imbiss-Spezialität nur noch Döner Kebab oder Hamburger als schnelle Mahlzeit gibt.

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