Berlin-Schmargendorf : Kleingartenkolonie Oeynhausen wird zur Hälfte bebaut

Nach dem langen Streit um Wohnungsbaupläne auf der Kleingartenkolonie Oeynhausen wurde nun der erwartete Kompromiss verkündet: Die Hälfte der Parzellen bleibt, der Rest muss weg.

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Die 1904 gegründete Kleingartenkolonie Oeynhausen ist eine der ältesten und größten in Berlin.
Die 1904 gegründete Kleingartenkolonie Oeynhausen ist eine der ältesten und größten in Berlin.Foto: Cay Dobberke

Auf der Hälfte der Schmargendorfer Kleingartenkolonie Oeynhausen entstehen etwa 900 Wohnungen, von den 302 Parzellen müssen rund 150 bis Ende Januar geräumt sein. Dafür bleiben die übrigen erhalten.

Diesen Kompromiss gaben am Dienstag das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, die Groth-Gruppe und der Bezirksverband Wilmersdorf der Kleingärtner bekannt. Die BVV-Fraktionen der SPD, CDU und Grünen haben zugestimmt, die Piratenfraktion nicht.

Im November hatte Unternehmer Klaus Groth das Gelände von der luxemburgischen Firma Lorac gekauft, die zur US-Investmentgesellschaft Lone Star gehört. Vorangegangen war ein jahrelanger Streit. 2014 gewannen die Kleingärtner einen Bürgerentscheid, doch das änderte wenig. Denn Bezirks- und Landespolitiker befürchteten hohe Schadensersatzansprüche des Investors, falls dieser nicht bauen dürfe. Es gab höchst unterschiedliche Gutachten, in denen die Entschädigungssumme auf 0 bis 36 Millionen Euro geschätzt wurde.

Baubeginn in diesem Jahr

Nun ist der Baubeginn im vierten Quartal dieses Jahres geplant. Zur Einigung gehört, dass die Groth-Gruppe eine Kita mit 65 bis 80 Plätzen sowie einen Ersatz für das Vereinsheim der Kolonie baut, das den Neubauten im Weg steht. Der Bauherr gibt auch Geld für 28 Grundschulplätze, will alle Erschließungskosten übernehmen und trägt die Räumungskosten für betroffene Gärten. Ein geplanter Stadtplatz und Wege auf das Gelände werden dem Bezirk übereignet – nicht aber der ganze gerettete Teil der Kolonie, wie das Bezirksamt gehofft hatte.

Außerdem steht den Pächtern eine gesetzlich geregelte Entschädigung zu, die etwa 5000 bis 12 000 Euro betragen dürfte.

Bis Monatsende müssen rund 150 Pächter ihre Parzellen räumen.  Dieser Mann ist mit einem Kleingärtner befreundet und packte am Dienstag mit an.
Bis Monatsende müssen rund 150 Pächter ihre Parzellen räumen. Dieser Mann ist mit einem Kleingärtner befreundet und packte am...Foto: Cay Dobberke
Das Vereinsheim wird abgerissen. Bezirksverordnete erreichten zuletzt, dass ein Ersatzbau auf dem verbleibenden Teil der Kolonie entsteht.
Das Vereinsheim wird abgerissen. Bezirksverordnete erreichten zuletzt, dass ein Ersatzbau auf dem verbleibenden Teil der Kolonie...Foto: Cay Dobberke

Ursprünglich hatte Groth 700 Eigentums- und Mietwohnungen geplant. Die Erhöhung auf 900 – darunter 65 preisgebundene Sozialwohnungen – will sein Unternehmen erreichen, indem die sechsstöckigen Gebäuderiegel etwas breiter und manche Wohnungen kleiner werden.

Grünen-Politikerin Rouhani will Bundesrechnungshof anrufen

Kritik übt die Grünen-Politikerin Nadia Rouhani, die im Mai 2015 aus ihrer BVV-Fraktion ausgeschlossen wurde – wie sie glaubt, wegen ihres Engagements für die Kolonie. Auf ihrer Webseite schreibt Rouhani, es handele sich „eher um ein einseitiges Geschäft zugunsten der Groth-Gruppe, die – kein unbeschriebenes Blatt in der Berliner Bauszene – ihre Interessen wieder einmal durchgesetzt und abgesichert hat“.

Darüber hinaus kündigt Rouhani an, den Bundesrechnungshof anzurufen, weil die Deutsche Post das Gelände im Jahr 2008 für nur 600 000 Euro an Lorac verkauft hatte. Möglicherweise sei „Bundesvermögen verschleudert“ worden, oder Politiker hätten sich „ins Bockshorn jagen lassen“.

Die ebenfalls fraktionslose Bezirksverordnete Marlene Cieschinger (Linke) sagte auf Nachfrage, es sei über die Köpfe der Betroffenen hinweg verhandelt und „der Bürgerentscheid missachtet“ worden. Außerdem halte sie die „paar Kindergärten- und Schulplätze sowie die wenigen sogenannten Sozialwohnungen für absolut unzureichend“.

Wenig bekannt ist übrigens, dass 122 weitere Parzellen von dem ganzen Streit unberührt blieben. Sie liegen im südlichen Teil, der immer schon dem Land Berlin gehörte.