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Berlin-Pankow : Zirkus-Elefanten stören Bahnverkehr

Alarm in Pankow: Wegen "entlaufener Zirkustiere" wurde am Sonntagabend die Bahnstrecke gesperrt. Es ging um Elefanten. Aber die waren nur spazieren.

Felix Hackenbruch
So weit war's dieses Mal dann doch nicht: Die indischen Elefantenkühe "Nanda" und "Maja" spazieren hier durch eine Fußgängerzone in Stendal (Sachsen-Anhalt).
So weit war's dieses Mal dann doch nicht: Die indischen Elefantenkühe "Nanda" und "Maja" spazieren hier durch eine Fußgängerzone...Foto: Jens Wolf/dpa

Nein, es war kein verspäteter Aprilscherz dem die Berliner Bundespolizei am Sonntagabend aufgesessen ist. Ein Zeuge wollte nahe der Granitzstraße in Pankow um kurz nach 19 Uhr zwei frei laufende Elefanten gesehen haben und alarmierte die Behörden. „Der Anrufer war so glaubwürdig, dass wir reagieren mussten“, berichtet Bundespolizeisprecher Jens Schobranski am Montag.
Neben des üblichen Streifenwagens wurde auch eine Hubschrauberbesatzung losgeschickt, sodass insgesamt fünf Polizisten im Einsatz waren. Zu Großwildjägern mussten die Beamten aber nicht werden, da sich der Elefanten-Alarm schnell als Ente entpuppte. Die Tiere gehörten dem Zirkus Busch und waren nicht nur in Begleitung ihrer Dompteure, sondern befanden sich auch auf dem umzäunten Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Pankow. Beides hatte der Zeuge offenbar nicht bemerkt.

Schobranski verteidigt den umfangreichen Einsatz dennoch: „Es gab eine potenzielle Gefahr. Wenn in Brandenburg eine Herde von Kühen auf die Gleise läuft, warten wir ja auch nicht, bis der erste Zug da durchgefahren ist.“ Der Vorfall zwang die Behörden, die Bahnstrecke nördlich des Gesundbrunnens von 19.15 Uhr bis 19.30 Uhr zu sperren. Regionalzüge und S-Bahnen wurden umgeleitet.

Schon mehrmals ausgebrochen

Yvette Scholl, Mitinhaberin des Circus Busch, kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Die Tiere seien die ganze Zeit unter Aufsicht gewesen. Und überhaupt: „Elefanten sind nicht gefährlich.“ Auch dass die beiden Tiere namens Nanda und Maya bereits in der Vergangenheit mehrfach ausgebrochen waren, findet sie unproblematisch. „Wenn man mit dem Hund spazieren geht, büxt der ja auch mal aus. Das passiert sehr selten.“

Ganz anders bewertet das Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes: „Wildtierhaltung ist nicht mehr zeitgemäß und gerade Elefanten brauchen viel Auslauf.“ Genau das könne ein Zirkus den Tieren aber oft nicht garantieren. Während freie Elefanten Reviere von bis zu 1000 Quadratkilometer haben, sieht das Gesetz nur 250 Quadratmeter für Zirkuselefanten vor. „Die Vorgaben sind völlig veraltet und missachten wissenschaftliche Erkenntnisse“, beklagt Schmitz und macht vor allem Unionsabgeordnete dafür verantwortlich: „Die behindern das aktiv. Es gibt Abgeordnete, die sogar Patenschaften für Zirkustiere übernehmen.“

Ab Donnerstag in Adlershof

Erbost reagiert Zirkus-Chefin Scholl auf die Kritik: „Eine Frechheit, wenn uns andere Leute vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben.“ Auch die Lebensbedingungen für ihre Tiere hält sie für ausreichend, schließlich sei der ehemalige Güterbahnhof in Pankow gut 3000 Quadratmeter groß und der Zirkus habe lediglich acht bis zehn Aufenthaltsorte im Jahr.

Scholl hat deshalb eine andere Forderung: „Wir wollen mehr Unterstützung. Nicht mehr Geld, sondern größere Platzangebote.“ Nicht ganz 3000 Quadratmeter, aber „sehr groß“ sei der nächste Platz in Adlershof, wo der Zirkus ab Donnerstag gastiert. Ab dann sollten sich Reisende vom nahen Schönefelder Flughafen darauf vorbereiten, dass sich ihr Abflug wegen entlaufener Tiere verzögern könnte.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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