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Innovative Fahrradständer in Pankow : Schwellenangst am S-Bahnhof

Schön sind sie nicht, die neuen Fahrradständer am S-Bahnhof Pankow. Manche waren sogar schon als defekt gekennzeichnet. Doch das stimmt offenbar gar nicht. Ein Testbericht.

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Die neuen, doppelstöckigen Fahrradständer, direkt vor dem S- und U-Bahnhof in Berlin-Pankow.
Die neuen, doppelstöckigen Fahrradständer, direkt vor dem S- und U-Bahnhof in Berlin-Pankow.Foto: Thilo Rückeis

Pankow ist mal wieder Vorreiter. Am Pankower Bahnhof hat die S-Bahn Ende letzten Jahres doppelstöckige Fahrradständer aufgestellt. Es sind die ersten in Berlin, jedenfalls bei der S-Bahn. In anderen Städten, etwa in Bernau oder Münster, gibt es sogar schon Fahrradparkhäuser. Aber gut, Berlin ist halt nicht Münster, und nicht einmal Bernau. Offiziell in Betrieb genommen wurden die Pankower Fahrradständer am heutigen Montag. S-Bahn Chef, Peter Buchner, der Pankower Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) und Christian Gaebler, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, kamen dafür selbst mit dem Rad zum Pankower S-Bahnhof, um „die leicht bedienbare Technik zu demonstrieren“, wie es in einer Ankündigung hießt.
Der Tagesspiegel war schon vorher da. Der erste Eindruck: Schön sind die doppelstöckigen Metallkonstruktionen nicht. Es sieht eher so aus, als hätte jemand einen kleinen Güterzug vor dem historischen Bahnhofsgebäude vergessen. Angesichts der Tatsache, dass hier 300 Fahrräder untergebracht werden können, wirken die Ständer, die da in mehreren Reihen hintereinander aufgebaut sind, andererseits gar nicht besonders groß. Bedenklich ist dagegen, dass zwischen den abgestellten Rädern schon jetzt sehr viel Müll liegt. Einige der Abteile waren beim Test zudem mit rot-weißen Absperrbändern und Schildern mit der Aufschrift "defekt" versehen. Bei der Promi-Vorführung am Montag stellte sich allerdings heraus, dass sie durchaus funktionstüchtig sind, jedoch für die Vorführung freigehalten werden sollten. Tolle Werbung!
Noch sind die Fahrradständer also technisch in Ordnung. Auf einer großen Tafel wird die Bedienung der oberen Etagen beschrieben. Unten ist die Sache selbsterklärend. Man schiebt das Rad auf eine Schiene, kettet es mit dem eigenen Schloss an einen Bügel an, fertig. Allerdings wird auf der Tafel in großer roter Schrift vor „Verletzungsgefahren“ beim Einschieben des Rades in einen unteren Stellplatz gewarnt. Man solle, so steht da, auf seinen Kopf achten.

Von Pankow über den Mauerradweg in die Stadt
Von der Dolomitenstraße geht es auf den alten Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Ulrike Scheffer
01.07.2015 09:49Von der Dolomitenstraße geht es auf den alten Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen.

Ein Grund mehr für Radfahrer, einen Helm zu tragen. Oder das Rad oben unterzubringen. Auf der Tafel sieht es ja ganz einfach aus: Die Schiene samt einer Verlängerung herausziehen und runterdrücken, Fahrrad draufschieben, anschließen und Schiene samt Fahrrad einfach wieder hochdrücken. Eine Hydraulik hilft dabei. Wenn da nur nicht diese Metallschwelle wäre. Die ist zwischen der eigentlichen Schiene und der Verlängerung angebracht. Instinktiv schieben daher wohl viele - jedenfalls die Autorin dieses Textes - das Vorderrad zunächst nur bis zur Schwelle. Und wäre es dann nicht logisch, das Rad und die Schiene gleichzeitig hochzuschieben? Werden dann nicht auch die Schiene und ihre Verlängerung automatisch ineinander geschoben? Doch es bewegt sich einfach nichts. Also nochmal ein Blick auf die Tafel. Aha, das Vorderrad steht hier hinter der Schwelle; es muss also offenbar darüber gehoben werden. Dann kann man es hochrollen und schließlich auch das Hinterrad über die Schwelle heben. Ein bisschen Kraft benötigt man dafür schon, jedenfalls, wenn man ein klassisches Stadtrad und kein ultraleichtes Sportrad fährt. Aber es geht. Sogar erstaunlich schnell. Rad anschließen, Schiene hochdrücken, ein Kinderspiel.

Von Pankow über den Pankeradweg in die Stadt
Mit dem Rad entlang der Panke in die Stadt: Eine Entdeckungsreise durch die Stadtnatur mit viel Kiezkultur.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Ulrike Scheffer
01.07.2015 09:27Mit dem Rad entlang der Panke in die Stadt: Eine Entdeckungsreise durch die Stadtnatur mit viel Kiezkultur.

Test also bestanden? Nicht ganz. Denn die Ständerreihen stehen eindeutig zu eng. Wer im hinteren Bereich sein Rad auf einer der oberen Etagen unterbringen will, hat nicht genug Platz, um es gerade auf die Schiene zu schieben. Im Rücken hat man schließlich schon die Räder des nächsten Ständers. Entweder hebt man sein Rad also schräg auf die Schiene, was kraftraubend und ganz sicher nicht rückenschonend ist, oder man quetscht den hinteren Teil das Fahrrades zunächst zwischen die Fahrräder des Ständers in seinem Rücken. Nur so kann man in eine gerade Position kommen. Doch das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders, und mit einem Fahrradkorb auf dem Gepäckträger kann man es sowieso vergessen.
Und die Schwelle? Was soll die eigentlich? Das wird beim Herausholen des Rades deutlich. Dann nämlich verhindert sie, dass einem das Rad entgegenkommt, wenn man die Schiene mit dem Rad herunterdrückt. Das ist also alles andere als eine Fehlkonstruktion.  

Berlin fährt Rad
Irgendwie auch Teil der Berliner Radkultur, dieser Straßenkünstler am Großen Stern. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos aus Berlin an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 413Foto: Maurizio Gambarini/dpa
30.08.2017 13:46Irgendwie auch Teil der Berliner Radkultur, dieser Straßenkünstler am Großen Stern. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre...

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Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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