Musiker Justin de Vries aus Pankow : "Hier kann man immer noch Freiheit einatmen"

Der australische Musiker Justin de Vries lebt und arbeitet in Prenzlauer Berg. Gerade ist das neue Album seiner Band "House of Light" herausgekommen.

Sabine Hölper
Justin de Vries lebt noch immer gern in Prenzlauer Berg.
Justin de Vries lebt noch immer gern in Prenzlauer Berg.Foto: privat

Justin, du bist Australier. Wann bist Du nach Berlin gekommen?
1999 bin ich aus Großbritannien nach Berlin getrampt und einfach in Prenzlauer Berg gelandet. Ich fand dann ganz schnell eine Wohnung, einen Freund und eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen – nämlich mit Straßenmusik. Also bin ich geblieben. Ich hatte das Gefühl, dass Prenzlauer Berg ein guter Ort zum Leben ist.

Wo genau bist Du damals gestrandet?
In der Prenzlauer Allee. Ich hab` mir Falafel gekauft – und lernte sofort andere Musiker aus Australien kennen. Am nächsten Tag haben die mich in diese dunkle, wilde Bar in der Schliemannstraße mitgenommen – die Luna Bar. Dort traf ich auf einen Sänger aus Italien, Kinch Blade, der mir anbot, bei ihm einzuziehen. Später habe ich vorübergehend in der Rykestraße in einem besetzten Haus gelebt. Oben wohnte ein Punk, unten, glaube ich, ein Künstler, ich in der Mitte. Der Hausmeister kam immer und wollte Geld von uns, aber wir haben ihn ignoriert. Es war ein sehr einfaches Leben. Das einzige Licht, das es gab, war das vom Kühlschrank. Wenn ich lesen wollte, musste ich ihn öffnen.

Und wo wohnst Du jetzt?
Ich bin gerade auf dem Sprung zu einer Tour nach England. Aber ich lebe nach wie vor in Prenzlauer Berg. Das ist mein Kiez.

Was gefällt Dir in Deinem Kiez am besten?
Ich mag die Parks. Und einige Bars.

Du bist häufig unterwegs, manchmal für Wochen oder gar Monate. Wo warst Du zuletzt?
Ich bin mit meiner Band House of Light durch die USA getourt, davor durch Australien.

Wie würdest du die Musik von House of Light beschreiben?
Ich würde sagen: psychedelisch, New Wave, Shoegaze. Solche Sachen.

Gibt es irgendwelche Einflüsse?
Viele. Die Musik der 1980er- und 1960er-Jahre. Aber auch 1990er, 1970er ...

Ihr habt gerade ein neues Album rausgebracht. Wo kann man es bekommen?
Auf houseoflight.bandcamp.com Und bei iTunes.

Du warst an so vielen Orten auf der ganzen Welt. Was ist das Besondere an Berlin?
Berlin war günstig, lustig, bizarr. Ein ungewöhnlicher Ort. Das mochte ich. Leider hat sich die Stadt gewandelt. Aber man kann hier immer noch Freiheit einatmen.

Gibt es etwas, das Du nicht magst?
Die Touristen.

Justin de Vries ist Singer-Songwriter und Gitarrist bei House of Light (HOL). Der Australier lebt und arbeitet in Prenzlauer Berg.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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