Exklusiv

Seniorentreff in Pankow : Hoffnung für die Stille Straße 10

Nach der Besetzung vor drei Jahren droht der Seniorenbegegnungsstätte in der Stillen Straße in Pankow Ende 2015 erneut das Aus. Doch nun zeichnet sich eine dauerhafte Lösung ab.

von
Die Seniorenbegegnungsstätte in der Stillen Straße.
Die Seniorenbegegnungsstätte in der Stillen Straße.Foto: Ulrike Scheffer

Die Senioren in der Stillen Straße 10 können wohl endlich aufatmen. Schon mehrfach stand ihre Begegnungsstätte vor dem Aus. Um die drohende Schließung zu verhindern, besetzten die Rentner 2012 sogar kurzerhand ihren Treff. Danach ging es zunächst weiter, die Finanzierung ist jedoch nur bis Ende 2015 gesichert. Nun zeichnet sich aber eine dauerhafte Lösung ab. Die Volkssolidarität, die nach der Besetzung vor drei Jahren das Gebäude in der Stillen Straße zur Nutzung vom Bezirk übernahm, um die Begegnungsstätte zu retten, verhandelt derzeit über eine Ersatzgrundstück. Dort soll ein integratives Wohnprojekt für behinderte und nicht behinderte Menschen, Senioren, Studenten und Familien entstehen und auch Platz für den Seniorentreff geschaffen werden. "Wir stehen derzeit noch in Verhandlungen, ich bin aber zuversichtlich, dass wir unseren Plan verwirklichen können", sagte der Landesgeschäftsführer der Volkssolidarität, André Lossin dem Tagesspiegel. Um welches Grundstück es sich handelt, wollte er noch nicht sagen. Es sei aber in der Umgebung der Stillen Straße.

Bezirk bestätigt Pläne

Die zuständige Stadträtin für Immobilienangelegenheiten, Christine Keil (Linke), bestätigte die Wende. "Ich bin optimistisch, dass bis Ende des Jahres alles geklärt ist",

sagte sie dem Tagesspiegel. Allerdings gebe es bis dahin noch viel zu tun. Das Grundstück, um das es geht, ist nach Informationen des Tagesspiegels Teil eines Immobilienpakets, das Berlin vom Bund erwerben will. Das Land sei bei den Planungen für die Stille Straße aber "noch nicht im Boot", so Keil.

Bis der Neubau steht und die Begegnungsstätte umziehen kann, wird es allerdings noch dauern. Stadträtin Keil geht davon aus, dass die Senioren bis dahin die Räumlichkeiten in der Stillen Straße 10 weiter nutzen können. Bis zu 100 Besucher kommen wöchentlich in die Seitenstraße des Majakowskirings um an Sport-, Kunst-, Fremdsprachen- oder Handarbeitskursen teilzunehmen. Auch einen Chor und eine Schachgruppe gibt es in der Stillen Straße 10.

Geburtstagsständchen für die Vorsitzende des Fördervereins Doris Syrbe (stehend vorne rechts).
Geburtstagsständchen für die Vorsitzende des Fördervereins Doris Syrbe (stehend vorne rechts).Foto: Ulrike Scheffer

Das 1927 erbaute Haus muss eigentlich dringend saniert werden. Der Senioreneinrichtung fehlt ein zweiter Rettungsweg und auch der Brandschutz reich nicht aus. Sie ist außerdem nicht behindertengerecht ausgestattet. Für den Umbau würden rund 800.000 Euro benötigt. Das war schon dem Bezirk zu viel gewesen. Die Volkssolidarität hatte sich im vergangenen Jahr bemüht, die Mittel über die Stiftung der Deutschen Klassenlotterie zu erhalten, doch die lehnte den Antrag ab. Seither stand die Begegnungsstätte wieder auf der Kippe. Die Idee, das Nachbargrundstück zu erwerben, um dann auf beiden Grundstücken ein Mehrgenerationenhaus mit Begegnungsstätte zu errichten,. scheiterte ebenfalls.

Weltweite Aufmerksamkeit

Mit der Besetzung vor drei Jahren hatten die Senioren international Aufsehen erregt. Kamerateams aus aller Welt kamen, um über die rebellischen Alten zu berichten. Die harrten mehr als 100 Tage in der Stillen Straße 10 aus und erreichten so immerhin, dass die Volkssolidarität die Einrichtung vom Bezirk übernahm. Die Senioren lassen sich seither immer wieder etwas einfallen, um zum Unterhalt beizutragen. Für diesen Samstag haben sie ein Benefizkonzert mit insgesamt acht Chören im Ballhaus Pankow organisiert. "Damit wollen wir die Volkssolidarität unterstützen", sagte Eveline Lämmer, Sprecherin des Fördervereins der Stillen Straße 10.

Ungebrochener Kampfgeist

Und wenn aus dem Umzug doch nichts wird? Eine neue Besetzung schließen die Senioren aus. "Die meisten von uns sind inzwischen weit über 70 Jahre alt, das würden wir wohl nicht wiederholen", sagt die Vorsitzende des Fördervereins, Doris Syrbe. "Sie können aber sicher sein, dass wir nicht einfach nach Hause gehen."

Das Konzert für die Stille Straße 10 beginnt am Samstag (27. Juni) um 15 Uhr im Ballhaus Pankow auf der Grabbeallee. Tickets kosten acht Euro und sind im Vorverkauf in der Stillen Straße 10 sowie an der Theaterkasse im Rathauscenter erhältlich. Mit dabei ist unter anderem der "Bulgarische Orthodoxe Chor Berlin". Pankower Politiker haben Karten für Flüchtlinge aus dem Bezirk gespendet. Weitere Informationen unter 030-47012532.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben