Tuchmarkt in der Altstadt : In Spandau gibt’s den besten Stoff

Am Sonnabend findet in der Altstadt der Stoffmarkt Holland statt. Ein fester Termin für alle, die gerne nähen. Manche reisen mit leerem Rollkoffer an. Ein Ausblick durchs Nadelöhr.

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Der Stoffmarkt Holland in der Spandauer Altstadt.
Der Stoffmarkt Holland in der Spandauer Altstadt.Foto: Promo

Früher kamen die Männer nur mit, um Tüten zu tragen, auf die Kinder aufzupassen oder den Hund zu halten. Heute ist es nicht mehr so einfach mit der Arbeitsteilung. Nähen liegt im Trend, und der hat auch die Männer erreicht. Viele wollen jetzt selber ran. Auf dem Stoffmarkt Holland gibt es immerhin 160 Stände, jeder einzelne voll mit Stoffen, Knöpfen, Bordüren.

Am Sonnabend macht der Markt zum vierten Mal Station in der Altstadt von Spandau. Für die Nähbegeisterten in Berlin ist es ein fester Termin im Kalender. Die Auswahl dort ist außergewöhnlich groß: Es gibt Fellimitate, Glitzer- Strickstoffe, Leder, japanische Stoffe. Dazu Material in Bio-Qualität, Nähmaschinen samt Zubehör und Schneiderpuppen. Julia Schmidt aus Kreuzberg freut sich schon seit Wochen darauf. „Das Beste sind die riesigen Wühltische mit den Stoffresten,“ findet die 29-Jährige. Dort landet alles, was nicht mehr auf die Ballen passt, und wird zu Schleuderpreisen unters Volk gebracht.

Die Verlockung ist groß

Auf diese sogenannten „Coupons“ haben es die meisten Besucher abgesehen. Bevor man „die Stücke an sich reißen kann, die man haben will“, müsse man sich erst mal nach vorne an die Tische durchkämpfen, sagt Schmidt. Das kann die Studentin, die auch einen eigenen Nähblogbetreibt, aber nicht abschrecken.

Die Aussicht, ein Schnäppchen zu ergattern, treibt ihre Pulsfrequenz nach oben – und ihren Kontostand in den Keller. „Ich nehme nur noch einen festen Bargeldbetrag mit“, sagt sie. Die Verlockung sei einfach zu groß. „Selbst wenn man nur gucken will, kommt man am Ende immer mit viel zu viel nach Hause.“

Stoffmarkt Spnadau
Einsatz am Wühltisch: Besonders begehrt sind verbilligte Stoffreste.Foto: Promo

Andere haben damit anscheinend weniger Probleme. Sie reisen gleich mit einem leeren Rollkoffer an. Schmidt ist meistens mit Freundinnen oder ihrer Mutter dort. Alleine hinzugehen, wäre für sie aber auch kein Problem: „Ich treffe da immer Leute.“

In der Näh-Community ist der Stoffmarkt Holland ein Riesending. Sobald die Termine für die neue Marktsaison veröffentlicht sind, verbreiten sie sich rasend schnell in sozialen Netzwerken und Näh-Blogs. In Deutschland gibt es den Markt seit 2004. Eva Gall, eine Mitarbeiterin des Veranstalters, erzählt, dass Stoffstände in den Niederlanden zu jedem Markt dazugehören. Weil in Deutschland aber alles seine Ordnung hat, trennt man hierzulande zwischen Lebensmittel-Märkten und Märkten mit anderen Produkten.

Und so haben sie den Stoffmarkt als Spezialmarkt nach Deutschland gebracht. In die meisten Städte kommt der Markt zweimal im Jahr. Die Hälfte der Stände ist immer noch in holländischer Hand, die restlichen Händler kommen mittlerweile aus Deutschland. Insgesamt hat sich die Zahl der Stände seit den Anfängen verdoppelt.

Der Wunsch, sich anders zu kleiden als der Massenware-Mainstream, treibt auch viele junge Großstädter an die Nähmaschinen. Die Eigenkreationen, die dabei entstehen, könnten schon mal gewagt sein, meint Mitarbeiterin Eva Gall. Aber sei’s drum, sie erfreue sich an der Kreativität ihrer Kunden, sagt sie. Julia Schmidt wird sich am Sonnabend nach leichten Sommerstoffen mit bunten Blumenmustern umschauen. In gut drei Wochen ist Frühlingsanfang.

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Stoffmarkt Holland in der Altstadt von Spandau am Sonnabend, 27. Februar, 10 bis 17 Uhr. www.stoffmarktholland.de

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