Baumfällungen an der Krummen Lanke : Klimawandel: Berlin baut den Wald um

Uferwege flankiert von Baumstümpfen, überall zerstückelte Äste und andere Baumreste an der Krummen Lanke? Die Anwohner schreien auf, die Berliner Forsten beruhigen: Der Wald wird "umgebaut", er soll fit gemacht werden für den Klimawandel. Der Zehlendorf Blog war vor Ort.

Maike Edda Raack
Den Uferweg der Krumme Lanke säumen die Zeugnisse der Fällungen aus den letzten Tagen
Den Uferweg der Krumme Lanke säumen die Zeugnisse der Fällungen aus den letzten TagenFoto: Maike Edda Raack

Es riecht nach Sägespänen, ein Specht rammt irgendwo da droben im Geäst seinen Schnabel schnarrend ins Holz, etwas weiter entfernt kreischt eine Motorsäge.

Geht man dieser Tage an der Krummen Lanke spazieren, säumen an vielen Stellen meterhoch Äste von Nadel- und Laubbäumen die Wege, wie versehentlich liegen gelassene, riesige Bauklötze purzeln Baumstücke fast bis auf die Wege und weiter oben, in Richtung Avus, finden sich mehrere gigantische Stapel von gefällten Laubbäumen, teilweise drei Stapel hintereinander; im nächsten Seitenweg das gleiche Szenario.

„Es sieht schlimm aus, da bricht einem das Herz! Zum Teil finde ich meine Wanderwege kaum wieder zwischen all den zerfleischten Bäumen. Und der empfindliche Waldboden wird mit riesigen Erntemaschinen zerpflügt. Wir sind hier allgemein empört, was die Stadt mit unserem Wald macht“, beschreibt Elisabeth Barth-Young, Leserin des Zehlendorf Blogs, den Anblick.

Bilder von einem Spaziergang an der Krummen Lanke nach den Fällungen
Auch die kleineren Baumstücke, die gesammelt am Wegrand liegen, werden noch verkauft und abtransportiertWeitere Bilder anzeigen
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21.02.2015 21:36Auch die kleineren Baumstücke, die gesammelt am Wegrand liegen, werden noch verkauft und abtransportiert

Bei den Berliner Forsten erklärt man uns: „Der Grunewald ist ein Erholungswald mit einer unermesslichen Funktion für die Stadt. Einerseits als Schutzschild vor Siedlungsbereichen, etwa vor dem Lärm der Autobahn, aber auch um Trinkwasser neu zu bilden und seine Reinheit zu gewährleisten. Das können Laubbäume deutlich wirkungsvoller", sagt Förster Marc Franusch. „Unser Ziel ist es daher, die Wälder zu entwickeln, also die Dominanz der Nadelbäume aufzuheben und einen artenreichen Mischwald zu schaffen." Wenn die Entscheidung fiele, Bäume wegzunehmen, dann immer vor dem Hintergrund, die Entwicklung des Waldes zu fördern. Daher würden tatsächlich nicht nur schwache und kranke Bäume gefällt, sondern „Konkurrenzen“ aufgelöst. "Wenn einige Bäume in Kronkonkurrenz stehen und sich gegenseitig das Licht, aber auch Nährstoffe wegnehmen, so wollen wir so genannten Zukunftsträgern, mit denen also die Zukunft des Waldes gestaltet werden kann, eine Chance auf mehr Platz und mehr Licht geben.“ Mischwälder seien in den zu erwartenden trockeneren Sommern robuster bei Waldbränden und gegen Ungezieferbefall. „Im Grunde genommen wappnen wir uns mit dem Waldumbau gegen den Klimawandel.“

Gewinner und Verlierer des Waldumbaus

Dabei werden insgesamt gewisse Baumarten vom Waldumbau profitieren, andere aber bewusst „herausgenommen“. Das gilt beispielweise für die amerikanische Roteiche, die andere Bäume verdrängt und auch nicht mit der hiesigen Insektenwelt vernetzt ist wie etwa die heimischen Eichen. Aber auch die Bedeutung der Kiefer wird zurückgehen. „Die Kiefern waren nach dem Zweiten Weltkrieg rund um Berlin angepflanzt worden, da sie als eine der wenigen Baumarten auf den rohen, kaputten Böden gedeihen konnte“, erklärt Förster Franusch. „Für die damalige Zeit war das eine ausgezeichnete Wahl. Aber in der heutigen Zeit werden Eichen und Buchen immer wichtiger werden, um einen Mischwald zu gewinnen samt seiner biologischen Vielfalt.“

Bis zu 500 Jahre für eine Eiche

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bestätigt diese Notwendigkeit, man sagt uns aber auch, dass der Waldumbau auch langsamer und damit schonender vonstatten gehen könnte. Denn eigentlich würde der Wald von selbst nachwachsen - aber bis Mutter Natur von alleine Birken, Pappeln und Weiden und schließlich die so genannten Climaxbäume Eiche und Buche hervorbringt, vergehen schon mal 500 Jahre.

Bei den Berliner Forsten sieht man das pragmatisch: Die Waldpflege werde durchaus auch aus wirtschaftlichen Aspekten durchgeführt, aber mit Augenmerk auf Nachhaltigkeit. So werden in allen Berliner Wäldern pro Jahr 110.000 Kubikmeter Holz geerntet. Gleichzeit wachsen 150.000 Kubikmeter neu hinzu. Das meiste Holz wird dabei zu Zellstoff verarbeitet, landen aber auch als Bretter, Planken und Latten im Baumarkt.

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Und da erzielen gerade groß und dick gewachsene Bäume wie Buchen und Eichen auch schon mal einen Festmeterpreis von bis zu 80 Euro. Zumeist wird das Holz ins europäische Ausland verkauft, aber auch bis nach Asien. Denn überall ist mittlerweile gerade auch für Holz als Energieträger die Nachfrage riesig. So gewinnen Holzpellets immer mehr an Bedeutung als CO2-neutraler Brennstoff (das bedeutet: nur das CO2 wird freigesetzt, das beim Wachstum des Baumes gebunden wurde, kein CO2 aus früheren Erdzeitaltern gelangt als Treibhausgas in die Atmosphäre, wie das bei fossilen Brennstoffen der Fall ist).

Nicht mehr jeder Trampelpfad soll zugänglich sein

Zum Teil gäbe es nun sehr lichte Partien im Wald, gibt Franusch zu. Aber in zwei bis drei Jahren schössen viele Jungbäume hoch, die die meisten Laien im Moment für Gestrüpp halten könnten.

Und er bittet um Verständnis von Seiten der Waldspaziergänger und Anwohner: „Wir mussten für unsere Arbeiten auch schwere Technik einsetzen, aber die beschädigten Wege werden wieder geglättet." Nur soll nicht mehr jeder Trampelpfad zugänglich gemacht werden. "Da haben wir bewusst auch Blockaden durch gefällte Bäume geschaffen, um so Ruhezonen für die Natur zu schaffen.“

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