Bronze für den Präsidenten : Gedenktafel für Ronald Reagan enthüllt

"Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor. Reissen Sie diese Mauer ein." Mit diesem Satz, gesprochen 1987 in Berlin, ging Ronald Reagan in die Geschichte ein. Jetzt erinnert eine Gedenktafel an seine Rede am Brandenburger Tor.

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Erinnerung an große Worte. Unweit des Brandenburger Tores wurde am Mittwoch die Gedenktafel enthüllt, die an Ronald Reagans Ansprache erinnert.
Erinnerung an große Worte. Unweit des Brandenburger Tores wurde am Mittwoch die Gedenktafel enthüllt, die an Ronald Reagans...Foto: dpa

„Auf Ronald Reagan!“ Gerade hatten am Mittwochnachmittag US-Botschafter Philip Murphy und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Bronzetafel enthüllt, die auf der westlichen Seite des Brandenburger Tores an die legendäre Rede des damaligen US-Präsidenten vor 25 Jahren erinnert. Und nun erhoben sie am Rande des Wäldchens, das zum Reichstag führt, ihre Champagnergläser Richtung Himmel über Berlin: „Präsident Reagan, wenn Sie heute auf uns niederschauen, wir haben Ihre Botschaft der Hoffnung nicht vergessen“, sagte Murphy.

Die von der ebenfalls anwesenden Künstlerin Helga Lieser gestaltete Tafel zeigt das Gesicht des damals umstrittenen Präsidenten und daneben den legendären Appell: „Mr. Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor. Reißen Sie diese Mauer ein.“ Einige, die damals mit Reagan auf der Bühne saßen vor den handverlesenen Gästen, die am 12. Juni 1987 in dieses weiträumig abgesperrte Areal durften, waren wieder dabei: Eberhard Diepgen, damals Regierender Bürgermeister, John Kornblum, damals stellvertretender Stadtkommandant, und Gail Burt, die Frau des damaligen Botschafters, die vor Beginn der Rede ungefähr da, wo jetzt die Bronzetafel ist, noch rasch ihr Baby stillte.

Bilder: Ronald Reagan in Berlin

Ronald Reagan: „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“
12. Juni 1987 - US-Präsident Ronald Reagan ist nach Berlin gekommen. Mit einer klaren Botschaft im Gepäck.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dapd
12.06.2012 11:5912. Juni 1987 - US-Präsident Ronald Reagan ist nach Berlin gekommen. Mit einer klaren Botschaft im Gepäck.

Auch Andrew Littlefair war dabei. Die Idee mit der Plexiglaswand, die Ronald Reagan’s Rednerpult vom Brandenburger Tor trennte, war seine Idee. Er hatte den Besuch damals mit einer Vorab-Delegation vorbereitet. Am Mittwoch kehrte er nach 25 Jahren erstmals zurück. Heute ist er im Kuratorium der Ronald Reagan Foundation, die sich um das Erbe des US-Präsidenten kümmert, der inzwischen quer durch alle Parteien in den USA hohes Ansehen genießt. Die Stiftung hat er noch selber gegründet.

Zu den Sponsoren des Ereignisses, gehörte General-Electric, vertreten durch Europa-Chef Ferdinando Beccalli-Falco. Von 1954 bis 1962 war Reagan als Schauspieler das Gesicht des Unternehmens. Wowereit erinnerte auch an die Vorbehalte, die es 1987 gegen den Besuch gab, der heftige Krawalle ausgelöst hatte, an die Angst um den Frieden, die viele Menschen bewegte. Reagans starkes Gefühl für die Einheit habe die Menschen bewegt und ihnen Mut gemacht: „Jeder Funke Hoffnung konnte Enormes bewegen.“

Littlefair erinnert sich noch gut daran, wie er Ost-Berlin besuchte und den Anblick schrecklich fand. Kein Ort, an dem er hätte leben wollen. Deshalb kam ihm auch die Idee mit der Glaswand. Sie sollte wie ein Fenster den Blick freigeben auf eine Welt, in der Unfreiheit herrschte. Auch der Direktor der Reagan-Stiftung John Heubusch war nach Berlin gekommen. Doch nicht mal diejenigen, die den Präsidenten begleiteten, hätten sich vorstellen können, dass das Tor so bald offen, die Mauer so schnell niedergerissen sein würde.

Am Abend hatte die Ronald-Reagan-Stiftung gemeinsam mit Murphy und Wowereit zu einem festlichen Gala-Dinner ins Hotel Adlon geladen. Bei Pfifferlingssuppe und Rinderfilet konnte sich Littlefair ein Bild davon machen, was aus dem schrecklichen Grau auf der anderen Seite seiner Plexiglaswand nun geworden ist. „Berlin ist noch eine junge Stadt“, hatte es in Reagans visionärer Proklamation damals geheißen: „mit der ganzen Kapazität des menschlichen Geistes, sich zu erneuern...“.

Innensenator Wilhelm Kewenig war auch deshalb so umstritten, weil er die Gewalt 1987 eskalieren ließ. Nachfolger Frank Henkel hatte bei der Gala die Aufgabe, eine Grußbotschaft von Helmut Kohl vorzulesen. Littlefair erinnert sich noch genau an den Gesichtsausdruck des damaligen Bundeskanzlers während der Rede: „Der sah unglaublich glücklich aus.“

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