Bürgerinitiative : Karl-Marx-Allee und Hansaviertel sollen Weltkulturerbe werden

07.07.2012 14:43 Uhrvon
  • Die Karl-Marx-Allee soll zum Weltkulturerbe erklärt werden. So wünscht es sich zumindest eine Bürgerinitiative mit prominenter Unterstützung. Foto: dapd
    Die Karl-Marx-Allee soll zum Weltkulturerbe erklärt werden. So wünscht es sich zumindest eine Bürgerinitiative mit prominenter Unterstützung. - Foto: dapd
  • Zwölf Kilometer weiter westlich liegt das Hansaviertel, das ebenfalls auf die Unesco-Liste soll. Foto: dapd
    Zwölf Kilometer weiter westlich liegt das Hansaviertel, das ebenfalls auf die Unesco-Liste soll. - Foto: dapd
  • Die 50er-Jahre-Bauten am Hansaplatz sind beim Fachpublikum auf der ganzen Welt bekannt. Foto: dapd
    Die 50er-Jahre-Bauten am Hansaplatz sind beim Fachpublikum auf der ganzen Welt bekannt. - Foto: dapd

Erst baute der Osten die Karl-Marx-Allee, dann der Westen das Hansaviertel. Die Unesco soll beides auf ihre Denkmalliste setzen.

Karl-Marx-Allee und Hansaviertel, diese beiden städtebaulichen Symbole des Wettstreits von Ost- und Westblock aus Zeiten des Kalten Krieges, sollen gemeinsam Weltkulturerbe werden. Der Vorschlag kommt von drei Bürgerinitiativen aus den beiden zwölf Kilometer voneinander gelegenen Quartieren – und sie haben in den beiden früheren Senatoren Thomas Flierl (Linke) und Volker Hassemer (CDU) und den beiden Bezirksbürgermeistern Christian Hanke (SPD), Mitte, und Franz Schulz (Grüne), Friedrichshain-Kreuzberg, prominente Unterstützer. Einst Symbole der geteilten Stadt und des „konfrontativen Städtebaus“, so Flierl, brächten die Quartiere und ihre Initiativen heute die Menschen zusammen durch ihre „gemeinsame Geschichte“.

Der Senat soll einen entsprechenden Antrag ausarbeiten, forderten die Initiativen gestern in einer Erklärung, die sie in der Akademie der Künste am Pariser Platz unterschrieben – in Sichtweite des Hansaviertels auf halber Strecke zur Karl-Marx-Allee. Für den früheren Kultursenator Flierl bilden die beiden Siedlungen den gemeinsamen „genetischen Code“ des Berliner Städtebaus. Die Karl-Marx-Allee setzte Anfang der 50er Jahre das erste große städtebauliche Zeichen für die Repräsentation und die Rekonstruktion des seinerzeit sozialistischen östlichen Teil Berlins. Der West-Berliner Senat antwortete mit dem Bau des Hansaviertels im Rahmen der Interbau 1957. „Die Strukturen sind baukulturell aufeinander bezogen“, sagte Flierl – „das wollen wir mit einem Welterbetitel deutlich machen, nur Berlin war zugleich Ost und West.“

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Sollen sich das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee gemeinsam um die Aufnahme in das Weltkulturerbe der Unesco bewerben?

In Berlin gehören bereits die Museumsinsel zum Unesco-Weltkulturerbe sowie sechs zwischen 1913 und 1934 entstandene Großsiedlungen der Moderne, außerdem auch Teile der preußischen Schlösser- und Gärtenlandschaft. Die Senatskanzlei hatte in dieser Woche erklärt, Berlin werde den Jüdischen Friedhof in Weißensee zur Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes vorschlagen. Jede Stadt darf zwei Vorschläge machen, die von der Kulturministerkonferenz geprüft werden.

Die deutsche Antragsliste für die Unesco muss bis 2014 komplett sein. Allerdings ist die Zeit für die neuen Bewerber knapp. Denn die Frist zur Abgabe von Vorschlägen an die Kultusministerkonferenz läuft am 1. August ab. Die Anforderungen an die Begründung der Bewerbung sind streng, sagte Dagmar Tille, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig für das Verfahren. „Zehn Jahre Vorlauf“ für die Ausarbeitung des Antrags seien üblich, „um im ersten Anlauf erfolgreich sein zu können.“ Aber „die Weltgeschichte reicht über Tausende von Jahren“ – da bleibe auch für dieses Vorhaben Zeit genug, falls die Frist im August verpasst werde. Flierl forderte die Angestellte postwendend dazu auf, sich ernsthaft mit dem Antrag zu befassen. Antje Pieper von der Initiative überreichte der Senatsvertreterin eine Unterlagensammlung. Dabei handle es sich um das Ergebnis einer sechs Jahre währenden Beschäftigung mit den beiden Baudenkmälern. Mittes Bürgermeister Hanke lobte das „zivilgesellschaftliche Engagement“. Die Initiative habe „gute Argumente“ für ihren Vorschlag.

Der Initiative zufolge besuchen viele junge Leute die Quartiere – auch aus dem bis heute geteilten Korea. Die anschauliche Darstellung der ideologischen Konfrontation politischer Blöcke am Beispiel des Städtebaus, das „kann nur Berlin leisten“, so Flierl. Das Hansaviertel in West-Berlin wurde zur Bauausstellung 1957 von Star-Architekten wie Oscar Niemeyer, Alvar Aalto oder Walter Gropius im Tiergarten errichtet, die Karl-Marx-Allee in drei Etappen: ab 1949 die Laubenganghäuser nach Plänen von Hans Scharoun, ab 1952 die „Zuckerbäckerbauten“ angelehnt an die sowjetische Architektur nach Plänen von Richard Paulick und dem stilprägenden „Hochhaus an der Weberwiese“ von Hermann Henselmann und schließlich die modernistischen Bauten wie das „Café Moskau“. Geld bringt der Titel Weltkulturerbe nicht, wohl aber Renommee und damit viele Besucher.

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