CDU in Berlin diskutiert mit Stadtplanern : Mehr Leben fürs Regierungsviertel

Am Reichstag ist was los! Doch weiter nördlich, zwischen Kanzleramt und Spreebogen, ist es stadtplanerisch eher öde. Architekten und Politiker wollen das ändern.

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Band des Bundes. Wettbewerbsmodell Spreebogen mit Bundeskanzleramt, Reichstag und Jakob-Kaiser-Haus von Axel Schultes und Charlotte Frank aus dem Jahr 1992. Foto: Schultes Frank Architekten
Band des Bundes. Wettbewerbsmodell Spreebogen mit Bundeskanzleramt, Reichstag und Jakob-Kaiser-Haus von Axel Schultes und...

Eine Grüne bei der CDU – Franziska Eichstädt-Bohlig, ehemalige Bundestagsabgeordnete und ex-Fraktionschefin im Berliner Abgeordnetenhaus, schätzen auch konservative Kreise für ihre städtebauliche Kompetenz. Und weil sie, wie Schlossbauherr Manfred Rettig, in so manchem Gremium zur Gestaltung des Regierungsviertels saß, hatte Berlins stellvertretende CDU-Fraktionschef Stefan Evers schon mit ihnen die „Expertendiskussion zur städtebaulichen Weiterentwicklung des Spreebogens“ klug besetzt.

Das Band des Bundes ist ein Unvollendetes

Genau genommen ist die CDU aufgesprungen auf ein Thema, dass der Bund Deutscher Architekten mit Thomas Krüger und die Architektenkammer gesetzt hatten und das sich wirklich aufdrängt: Muss zwei Jahrzehnte nach dem Flechten des Bandes des Bundes durch Axel Schultes dasselbe nicht dringend vollendet werden? Das Kanzleramt steht wie ein Solitär da, noch fehlt das geplante „Bürgerforum“. Die Bürger lassen sich eh nicht blicken im Spreebogen, das wie eine Sicherheitsbrache Regierungsviertel von Hauptbahnhof trennt. Müssten dort nicht endlich Wohnungen entstehen, ein lebendiges Viertel wie bis zum Krieg?

Besucherzentrum? "Schade ums Geld"!

Kurzum „ist das Band des Bundes sakrosankt“ oder wie kann man „das Spreeufer dauerhaft beleben“, fragte Evers. Für Architektenkammerpräsidentin Christine Edmaier ist das Regierungsviertel jedenfalls „nicht fertig“, auch wenn man über Schultes Entwurf „glücklich sein muss“. Dass der Bund nun ein Besucherzentrum „im Wald verstecken“ will, statt am Band des Bundes weiterzuarbeiten, sei „schade ums Geld“. Und auch den Tunnel stellte Edmaier infrage.

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1 von 14Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Dass am Verbindungstunnel zum Reichstag und am Standort (an Stelle des Berlin-Pavillon) kaum noch zu rütteln sein dürfte, deuteten Rettig und Eichstätt-Bohlig an – wobei auch für die beiden das Band des Bundes im heutigen Zustand nicht vollendet ist. Aber warum das Besucherzentrum nicht direkt vor den Reichstag stellen wie in Washington, wollte Moderator Gerd Nowakowski vom Tagesspiegel wissen. Weil dort U-Bahn-Trassen und „die ganze Technik des Reichstages liegen“, erklärte Annalie Schoen ein, beim Senat für das Regierungsviertel zuständig.

Die Grüne und der Schlossbauherr geraten in Streit

Der Bund rede von Bürgernähe, halte diese aber auf Abstand, warf Architekt Bernd Albers ein und forderte deshalb den Bau von Wohnhäusern im Spreebogen. Eichstätt-Bohlig pflichtete ihm bei: „Die Berliner Bürger sollten dort ihren Ort zurückbekommen und nicht russischen oder andere Oligarchen“. Damit löste sie ein munteres Wortgefecht mit Rettig aus, der erklärte, es werde „nicht gelingen, in diesem Gebiet Sozialwohnungen zu bauen“. Was wiederum die Grünenpolitikerin ärgerte: Das „Leitbild bürgerschaftlichen Bauens“ habe sie gemeint, aber offensichtlich sei überhaupt nur noch „hochpreisiges Bauen für Reiche oder sozialer Wohnungsbau“ denkbar. Da lenkte Rettig dann doch ein: „Da sind wir einer Meinung“.

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