Berlin : Das Maifeld wird aus dem Vergessen geholt

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll unter der Tribüne eine Ausstellung zur NS-Geschichte gezeigt werden

André Görke

Der Glockenturm und die Tribüne des Maifelds hinter dem Olympiastadion sind verträumte Orte. Kein Wort über die NS-Architektur ist dort zu lesen, kein Wort über die Geschichte der Langemarckhalle, die sich im Bauch der riesigen Tribüne befindet. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird sich das ändern. „Wir fühlen uns verpflichtet, das Gebäude nicht unkommentiert zu lassen“, sagte Hans Ottomeyer, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums. Zur WM 2006 wird das Gebäude als zentraler Ort der Information dienen und sich mit der Geschichte des ehemaligen Reichssportfeldes auseinander setzen. Das Projekt werde „vier bis fünf Millionen Euro“ kosten und ab November umgesetzt. „Würden wir erst im Frühjahr beginnen, würden wir es nicht rechtzeitig schaffen.“

In den letzten Wochen ist Bewegung in die Debatte um die historische Kommentierung für das Areal gekommen. Nachdem sich der weltweit bekannte Architekt Volkwin Marg, dessen Büro das neue Olympiastadion entworfen hat, stark engagiert hatte, trieb zuletzt auch das Bundesinnenministerium um Otto Schily das Projekt voran. Wenn zur WM 2006 eine Million Gäste in Berlin erwartet werden und bis zu 20 000 Journalisten aus aller Welt im geplanten Medienzentrum auf dem Maifeld arbeiten, könne es nicht sein, dass es nur wenige Meter entfernt um die Verherrlichung des Heldentods gehe, heißt es. Gabriele Kautz, Sprecherin des Innenministeriums: „Das Projekt ist eine Sache, der wir uns gern angenommen haben. Wir sind in der Endphase der Konzeptionisierung. Das Vorhaben steht.“

Zentraler Ort der Information wird die Langemarckhalle sein. Sie liegt im Mittelgeschoss unter den Maifeldtribünen und ist dem Andenken der im Ersten Weltkrieg gefallenen Jugend gewidmet, die beim Sturm auf Langemarck in der belgischen Provinz Westflandern starben. Die Pfeiler der Halle trugen einst die Fahnen der an der Schlacht beteiligten Regimenter. Die Schilde der Divisionen hängen heute neben den Türen der Maifeldtribüne. Die Wände der Halle tragen Sprüche der Dichter Friedrich Hölderlin und Walter Flex. „Wir werden es mit einer Schutzverglasung versehen, damit Witterung und Korrosion nicht noch mehr Schäden anrichten“, sagte Ottomeyer.

Die Langemarckhalle muss saniert werden, allerdings, gehe es „nicht um eine schöne 1000-prozentige Totalsanierung“, sagt Ottomeyer. In der Halle sollen keine zusätzlichen Ausstellungsstücke zu sehen sein, „sie soll für sich sprechen“. In den Räumen darunter jedoch werden Videofilme gezeigt, eine Dauerausstellung wird originale Exponate, Fotos und reproduzierte Modelle des Reichssportfeldes zeigen. „In erster Linie werden wir den Menschen aber erst mal viel erklären müssen“, sagt Ottomeyer. Federführend ist Rainer Roth vom Deutschen Historischen Museum, er hat das Buch „Leni Riefenstahl. Die Verführung“ geschrieben. Einen Monat vor Anpfiff der WM 2006 soll die Ausstellung eröffnet werden.

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