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Demonstration : Salafisten-Kundgebung überraschend beendet

Salafisten hatten eine Kundgebung in der Berliner Markgrafenstraße ankündigt, mit 1000 angemeldeten Demonstranten. Gekommen sind 50 - die Anhänger der Gegenseite von Pro Deutschland miteingerechnet. Nun wurde die Kundgebung überraschend beendet.

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Die Rechten mobilisieren gegen die Salafisten in Kreuzberg, die linke Szene geht zu "Rosa und Karl". Selten war die Demonstrationslage so kompliziert wie am heutigen Sonntag. Während die beiden linken Demonstrationen zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aus polizeilicher Sicht eher unproblematisch sind, musste in Kreuzberg ein Großaufgebot von 550 Polizisten anrücken.

Wie berichtet, hatten Salafisten in der Markgrafenstraße für 10 Uhr eine Kundgebung angemeldet. Ursprünglich hatten sie zu einer „Benefizveranstaltung für Syrien“ in einem Saal dort mobilisiert. Der Vermieter hat den Vertrag aber storniert, nachdem er von den Hintergründen erfuhr. Der Verfassungsschutz stuft den Salafismus als extremistische Ideologie ein, zahlreiche prominente Prediger dieser Strömung wurden erwartet, darunter auch der umstrittene Redner Pierre Vogel.

Nun wurde die Kundgebung überraschend beendet. Denn von den insgesamt über 1000 angemeldeten Demonstranten - der Staatsschutz rechnete mit 300-500 - erschienen gerade einmal 50 Menschen, die Anhänger der Gegenseite von Pro Deutschland bereits miteingerechnet.

NPD und Rechtspopulisten von Pro Deutschland wollten sich zusammenfinden, um in eben jener Markgrafenstraße in Berlin gegen den Islam zu protestieren. Doch die NPD hatte ihre Demonstration und damit ihr Erscheinen am Sonntagmorgen kurzfristig abgesagt. Eine mehr als überschaubare Gruppe von etwa 30 Anhängern von Pro Deutschland ließen dennoch ihre Islamfeindlichen Parolen verlauten. Viel Wirkung zeigte dies jedoch nicht. Ihnen gegenüber standen rund 15 Salafisten, ein paar Männer mit dunklen Wollmützen und sogar wenige Frauen mit Kopftüchern - wahrscheinlich nur deshalb, um zahlenmäßig gegen Pro Deutschland aufwarten zu können.

Angesichts der überraschend geringen Protestbeteiligung - auf beiden Seiten - sahen sich die Salafisten gezwungen, die Kundgebung zu beenden. Ein Sprecher trat an das Mikrofon und bat seine Mitstreiter einzeln abzutreten, um nicht den Anschein eines Protestmarsches zu erwecken. Danach rannte er aufgeregt weg in Richtung Rudi-Dutschke-Straße, wahrscheinlich aus Überraschung obschon der erfolglosen Aktion. Mittlerweile sollen die Salafisten in einen Saal nahe einer Moschee in der Ziegrastraße gezogen sein und eine interne Runde gebildet haben.

Die linke Szene hat bislang nicht vor, in Kreuzberg gegen Rechts mobil zu machen, da zeitgleich das Gedenken für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in der West- City und in Friedrichshain startet.

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