Berlin : Der Zwillings-Sturm

Sylvie und Nicole Banecki spielen Fußball in der deutschen U 17 – sie sind dort nicht die einzigen Geschwister

Helen Ruwald

Der neue Trainer wollte nicht, dass zwei Mädchen in seinem Team mit den Jungs kickten. Und so flogen die Zwillinge Sylvie und Nicole Banecki aus der E-Jugend der Reinickendorfer Füchse. Die kleinen Fußballerinnen ließen sich nicht beirren, sie dribbelten und tricksten stattdessen beim SC Tegel, beim MSV Normannia und bei Tennis Borussia. Mittlerweile sind die beiden 15 Jahre alt und an den Jungs, die bei den Füchsen nicht mit ihnen zusammen spielen sollten, vorbeigezogen: Sylvie und Nicole stürmen für die deutsche U-17-Nationalmannschaft, mit der sie gerade in Florida waren. In vier Länderspielen gegen die USA und Kanada gab es einen Sieg und drei Niederlagen. Die Reise war etwas Besonderes, denn mit dem DFB war Sylvie bisher nur „mal in Solingen“.

Sechs Stürmerinnen gehörten zum deutschen Kader, drei davon aus Berlin, allesamt Zwillinge: neben Sylvie und Nicole auch Isabel Kerschowski vom BSC Marzahn. Ihre Zwillingsschwester Monique stand auf Abruf. Die 16-Jährige hat ein bisschen Pech, weil sie Abwehrspielerin ist - und da ist das Team besser besetzt als im Sturm. Außerdem sei Monique „zickig zum Trainer“, behauptet Isabel, was die Schwester energisch bestreitet, „ich war auch verletzungsanfällig. Und der Trainer hat gesagt, bei einem der nächsten Länderspiele bin ich dabei“. Beide schießen mit rechts, doch es gibt Unterschiede: „Ich bin größer und technisch stärker“, erzählt Isabel, und diesmal widerspricht Monique nicht.

Zweimal Zwillinge - die unterschiedlicher kaum sein könnten: Sylvie und Nicole sind zweieiig, Isabel und Monique eineiig. Die TeBe-Mädchen, Töchter eines Deutschen und einer Kamerunerin, kickten schon als Sechsjährige im Verein, die Marzahnerinnen kamen erst „mit 13 in den Verein und ein halbes Jahr später in die Nationalmannschaft“, sagt Isabel, die in Florida eines von insgesamt drei deutschen Toren schoss. Sie und Monique trainieren drei- bis viermal die Woche im Klub, mit der Berliner Landesauswahl oder beim Stützpunkttraining des DFB, die Baneckis sechs- bis siebenmal: Für sie steht dreimal in der Woche vormittags in der sportbetonten Poelchau-Oberschule in Charlottenburg Fußball auf dem Stundenplan. Ohne Ball am Fuß halten es Sylvie und Nicole nur schwer aus. Was sie tun, wenn sie nichts zu tun haben? „Dann gehen wir mit unseren Freunden Fußball spielen", verrät Nicole. Sie ist etwas schmaler und zurückhaltender als ihre Schwester. Auf dem Platz „ist sie der Fummelkönig und Sylvie der Brecher“, sagt ihr Vater, der die Mädchen regelmäßig zwischen der Wohnung in Tegel und dem TeBe-Trainingsplatz hin- und herkutschiert. Das fußballerische Talent liegt in der Familie. Der 18-jährige Bruder Francis spielt in der A-Jugend von Werder Bremen und für die deutsche U-19-Nationalmannschaft. Und ein Cousin der Mutter, Marcel Mahouve, ist Profi in Montpellier und lief schon mal für Kameruns Nationalteam auf.

Profi werden wollen auch Nicole und Sylvie, „vielleicht spielen wir mal in Frankfurt“, beim Deutschen Meister, träumt Sylvie, „oder in Amerika“, fügt Nicole hinzu. Die Mädchen sind der Nachwuchs des Weltmeisters. Doch ihre Vorbilder sind Männer: „Ronaldo hat so eine gute Übersicht und Technik“, schwärmt Sylvie. Nicole protestiert: „Ronaldo hat keine gute Übersicht, Zidane ist der beste Techniker.“ Den Kerschowski-Zwillingen hat es David Beckham angetan, „er schlägt aus dem Fußgelenk 30-Meter-Pässe und sieht gut aus“. Da hat selbst Weltfußballerin Birgit Prinz keine Chance.