Deutsch-deutsche Geschichte : Dauerausstellung im Tränenpalast eröffnet

14.09.2011 17:02 Uhrvon
  • Im "Tränenpalast" in Berlin Mitte eröffnet am Mittwoch den 14. September 2011 die ständige Ausstellung Grenzerfahrungen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas / TSP
    Im "Tränenpalast" in Berlin Mitte eröffnet am Mittwoch den 14. September 2011 die ständige Ausstellung Grenzerfahrungen. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas / TSP
  • Eröffnet wurde die Ausstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: dpa
    Eröffnet wurde die Ausstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. - Foto: dpa
  • Einer der ersten Besucher betrachtet die Exponate der Dauerausstellung. Gezeigt werden in der früheren Abfertigungshalle für Ausreisen nach West-Berlin originale Schilder, Fotos und Dokumente. Foto: dpa
    Einer der ersten Besucher betrachtet die Exponate der Dauerausstellung. Gezeigt werden in der früheren Abfertigungshalle für Ausreisen nach West-Berlin originale Schilder, Fotos... - Foto: dpa

Einst Grenzübergang, später Disko, heute Ausstellungsort: Der Tränenpalast öffnet mit einer neuen Schau. Sie erinnert an die Jahre, in denen die DDR-Behörden hier Ausreisende schikanierten.

Rund zehn Millionen Menschen in 28 Jahren – wie viele Abermillionen von Tränen müssen das gewesen sein? Von einigen dieser Menschen, ihren Tränen, ihrem Schmerz und ihrer Angst, ihrer Sehnsucht und Hoffnung erzählt die neue Dauerausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“, die ab dem heutigen Donnerstag in der ehemaligen Ausreisehalle der Grenzübergangsstelle neben dem Bahnhof Friedrichstraße zu sehen ist. Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend im so genannten „Tränenpalast“ kamen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (beide CDU).

Seine Spitznamen wie Tränenpalast oder Tränenhalle bekam der 1962 vom SED-Regime in Betrieb genommene und nach der Wende dann als Club genutzte trapezförmige Pavillon aus Stahl, Glas und Keramik, weil die Bürger der DDR hier ihre Verwandten und Freunde aus dem Westen verabschieden mussten, selbst aber kaum Hoffnung hatten, jemals die Grenzstation in Richtung Westen passieren zu dürfen.

„Wenn der sogenannte West-Besuch durch diesen Tränenpalast wieder nach Hause fuhr, wusste man nie ganz genau, ob man sich wiedersehen wird“, erinnert sich Merkel, die Ende der Siebziger Jahre nach ihrem Physikstudium in Leipzig nach Ost-Berlin kam und in der Marienstraße nahe des Bahnhofs Friedrichstraße wohnte.

„Ich fuhr von dort mit der S-Bahn nach Adlershof zur Arbeit. Was ich auf dem Ost-Bahnsteig allmorgendlich von der Westseite Berlins mitbekam, waren eine dicke Wand und das Bellen der Wachhunde“, erzählt Merkel. Sie selbst habe Jahr für Jahr mit ihren Eltern am Tränenpalast ihre Großmutter verabschiedet, immer in der Angst, sie im nächsten Jahr nicht mehr wiederzusehen.

Die Kontrollen der Ausreisenden durch die DDR-Zollbeamten waren meist schikanös und willkürlich, Ganzkörperkontrollen häufig. Es ging um die gezielte Vermittlung des Gefühls, einem allmächtigen Kontrollapparat machtlos ausgeliefert zu sein. Für viele, gerade für Ältere oder Kranke, eine Tortur: Über 200 Menschen sollen hier von 1962 bis zum Fall der Mauer an einem Herzinfarkt oder einem Kreislaufkollaps gestorben sein, berichten die Organisatoren der Schau von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Lesen Sie auf Seite 2, wie es einem Zeitzeugen ergeht, der zum ersten Mal in den Tränenpalast zurückkehrt.

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