Berlin : Edler Kopfputz fürs Stadtschloss

40 Tonnen Kupfer werden derzeit auf dem neuen Landtagsgebäude verlegt – dank einer Millionenspende. Bis Herbst soll der Bau wetterfest sein.

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Auf der Falz. Ein Dutzend Dachklempner und zwei Zimmerleute arbeiten auf dem Dach. Foto: Andreas Klaer
Auf der Falz. Ein Dutzend Dachklempner und zwei Zimmerleute arbeiten auf dem Dach. Foto: Andreas Klaer

Potsdam – Kein Tropfen dringt da mehr durch. Solide 40 Zentimeter aus Holz, Dämmwolle, Dachpappe und schließlich Kupfer – ein dicker Panzer, der die Witterung draußen hält und Brandenburgs Parlamentarier trocken. „Dieser Bau ist schon etwas Besonderes“, sagt Sandro Hilmes und begutachtet eine der Kupferbahnen, die zwei Arbeiter gerade auf die leicht geneigte Dachfläche des Landtagsostflügels schrauben. Hilmes ist Bauleiter der Dacharbeiten des neuen Parlamentsgebäudes in Potsdams Mitte. Ein Dutzend Dachklempner, im Jargon Spenger genannt, hat er im Auftrag des Baukonsortiums BAM unter sich, dazu zwei Zimmerleute für die Holzaufbauten des Dachstuhls.

Dass Hilmes nun das edlere Kupfer statt des ursprünglich geplanten Titanzinks verwenden darf, hat er Software- Milliardär und Mäzen Hasso Plattner zu verdanken. Nachdem der bereits 20 Millionen Euro gespendet hatte, damit der Landtag die historische Fassade des Knobelsdorffschen Schlosses erhalten kann, packte er Ende vergangenen Jahres noch einmal 1,75 Millionen Euro für die Kupferdeckung drauf, wie sie einst auch das Stadtschloss zierte.

Für Hilmes ist die Materialfrage eine allenfalls ästhetische. „Die Langlebigkeit von Kupfer und Zink ist dieselbe“, sagt er und widerspricht damit Kritikern, die Kupfer für haltbarer halten. In Berlin gebe es noch alte Kirchen, deren Zinkdach bereits 150 Jahre alt ist. „Bevor Kupfer oder Zink kaputtgehen, versagt eher der Unterbau“, pflichtet Michael Spahr, der Projektleiter für den Rohbau, augenzwinkernd bei. „Aber das Kupfer passt schon besser zum Schloss“, meint Hilmes.

Ein gutes Drittel der etwa 4000 Quadratmeter großen Dachfläche haben die Arbeiter bereits eingedeckt. An sonnigen Tagen gleißt das Kupfer so hell, dass es in den Augen schmerzt. Allerdings werden die Sehnerven schon bald wieder geschont: Nur wenige Wochen dauert es, bis das Material einen dunkleren Ton annimmt, ähnlich dem des Dachs der Französischen Kirche. An der lässt sich beobachten, wie lange Kupfer braucht, bis es die charakteristische grüne Patina annimmt. Die Französische Kirche wurde zur Wendezeit neu eingedeckt. 30 Jahre dauert es Hilmes zufolge nämlich, bevor sich der Grünspan durchgesetzt hat.

Rund 40 Tonnen Kupfer werden auf das Schlossdach gelegt. Zwei Spenger sind gerade dabei, eine Mittelbahn anzubringen. Mit einem Bohrer setzen sie auf beiden Seiten Löcher, dann wird das Kupfer mit Spezialhaltern aus Schweden mit dem Dachstuhl verschraubt. Die Nachbarbahnen werden längsseits angelegt. Anschließend fährt eine kleine Maschine auf Rollen die Bahnen ab und presst die sich überlappenden Profile aneinander. „Doppelt verfalzt“ nennt das der Fachmann. Von der Mitte aus arbeiten sich die Dachdecker zu den Fenstern vor. Insgesamt 46 davon gibt es auf beiden Seitenflügeln, sie sind tiefergelegt als das Dach. Ebenfalls Spezialanfertigungen. Um dort die Kupferverkleidung anzusetzen, ist viel Handarbeit nötig. Weil diese Bereiche besonders korrosionsanfällig sind, wird das Kupfer dort zusätzlich verlötet.

Bis zum Herbst, sagt Hilmes, soll das Dach weitgehend dicht sein. Und nicht nur das Dach. Das ganze Landtagsschloss soll dann wetterfest sein, damit der Innenausbau beginnen kann. Rohbauleiter Michael Spahr muss bis daher bis zum Winter auch alle Fenster eingebaut haben.

Rein äußerlich ist das gewaltige Gebäude – ein Seitenflügel misst mehr als 100 Meter – bereits gut als Schloss zu erkennen. Die beiden Kopfbauten am Alten Markt zieren bereits wieder die acht Säulen, sechs davon sind noch erhaltene Originale des einstigen Stadtschlosses. Mehr als 900 sogenannter Spolien – Bauteile und Überreste von Skulpturen, Reliefs oder historischen Bauteilen – gibt es noch vom alten Schloss. Ein Drittel davon soll wieder eingebaut werden. Der Rest, sagt Spahr, sei nicht mehr verwendbar – entweder seien die Teile zu kaputt, statisch bedenklich oder einfach zu klein.

Eine Beziehung, sagt Spahr, entwickle er zu jedem Gebäude. Dennoch macht ihm die Arbeit am Landtag besonderen Spaß. „Wir bauen hier eigentlich ein ganz normales Bürogebäude mit einem kleinen Landtag drin – und dann basteln wir was davor“, sagt er schmunzelnd. „Das ist schon eine Herausforderung.“

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