• Ein Vorschlag zur Güte: David Cameron, Flüchtlinge, Terrorismus und die englische Sprache

Ein Vorschlag zur Güte : David Cameron, Flüchtlinge, Terrorismus und die englische Sprache

Der britische Premier David Cameron hat einen denkwürdigen Vorschlag gemacht, der sich auf nachgezogene muslimische Frauen bezieht. Was meint er wohl damit? Eine Glosse.

Wie lange bräuchte David Cameron, um arabisch zu lernen?
Wie lange bräuchte David Cameron, um arabisch zu lernen?Foto: dpa

In einer besseren Welt als dieser gibt es keine Flüchtlinge. Gibt es sie aber doch, dann beeilen sie sich, die Sprache Goethes zu lernen und zu loben, damit zusammen mit ihr auch die deutsche Leitkultur über sie komme, Kruzifix und Hinterschinken eingeschlossen. Der erste Satz in praktisch jeder einschlägigen Broschüre lautet, Sprache sei der Schlüssel zur Integration. Nur notorische Nörgler halten dem gelegentlich entgegen, in Wirklichkeit sei Integration der Schlüssel zur Sprache: Wer freiwillig oder gezwungen in der Parallelgesellschaft lebe, der werde die Sprache des Aufnahmelandes nie lernen.

Keine Frage, welcher Richtung David Cameron anhängt. Der britische Premier, einer der kräftigsten Kraftmeier Europas, möchte nachgezogene muslimische Frauen – von buddhistischen oder armenisch-orthodoxen ist keine Rede – künftig nach zweieinhalb Jahren Kursus zur Prüfung bitten: Sitzt das Basis-Englisch nicht, droht irgendwas Unangenehmes, möglicherweise der Rauswurf, so ganz genau legt sich Cameron da nicht fest.

Drohkulissen

Und weil dieser Vorschlag pur ein wenig seltsam im Raum steht, hat Cameron noch eine Art Begründung nachgeschoben. Wer nicht anständig Englisch lerne, meint er, der sei anfälliger für terroristische Propaganda. Das allerdings ist angesichts der großen Zahl perfekt englisch sprechender Terroristen ein ziemlich fragwürdiges Argument, und frauenfeindlich ist es auch noch. Denn es unterstellt ja, dass die nachgezogenen dummen Schnepfen aus der Wüste jeden Schwachsinn glauben, wenn er ihnen nur im heimatlichen Dialekt, auf jemenitisch oder anatolisch vorgetragen werde – während sie die Wahrheit, die zum Beispiel im „Daily Telegraph“ steht, einfach nicht lesen können.

Ach, es ist schon lustig, wie sich die Politiker im Moment gegenseitig im Aufbau von Drohkulissen üben, die zur Hälfte die Wähler streicheln und zur anderen Hälfte die Flüchtlinge abschrecken sollen. Vermutlich ist das unter staatstragenden Aspekten auch ganz legitim. Aber ganz am Rande dieser Veranstaltung wäre es interessant, mal einen Versuch zu unternehmen: Würde David Cameron es schaffen, in zweieinhalb Jahren Volkshochschule erträgliches Arabisch zu lernen? Ganz so leicht fiele ihm das wohl nicht.

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