Berlin : Elektronik, die zu Herzen geht

Dieter Burmester, der Berliner High-End-Spezialist, ist zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt worden

Bernd Matthies

Der Mann ist im Grunde ein Rocker. Mit „Born to be wild“ beginnt die Platte der Gruppe „Past perfect“, bei der er Bass spielt, dann kommen Titel von den Beatles, Stones, Eric Clapton. .. Wenn ihn die Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) heute zum „Unternehmer des Jahres“ ernennt, hat das allerdings einen anderen Grund: Dieter Burmester, der 57-jährige Berliner Elektronikingenieur, ist einer der weltweit renommiertesten Hersteller von Hifi-Anlagen, präsent in 40 Ländern. Er hat in den 25 Jahren, die seine Firma besteht, unzählige Trends gesetzt – und erregt gerade wieder einmal Aufsehen im ungewohnten Autosektor: Der von VW entwickelte neue Bugatti Veyron kommt demnächst mit einem maßgeschneiderten Burmester-Soundsystem auf den Markt. „High End“ ist der Fachbegriff für maximale Klangqualität, koste sie, was sie wolle.

Im vergangenen Jahr hat die in der Kolonnenstraße ansässige Firma mit 30 Mitarbeitern rund 5,5 Millionen Euro umgesetzt, davon 60 Prozent im Ausland, überwiegend in Asien und Amerika. Die Materialien und Halbfertigprodukte der Geräte dagegen kommen zu 95 Prozent aus deutscher Fertigung, überwiegend aus Berlin und Brandenburg. Der einfachste CD-Spieler kostet 2740 Euro, der teuerste knapp 11 000. Wer herzhaft hinlangt und sich mit einer Multikanal-Anlage auf den Stand der Technik bringt, muss mit einer sechsstelligen Kaufsumme rechnen. Die Kundschaft dafür gibt es; gerade hat ein bekannter deutscher Unternehmer sein Schweizer Haus mit drei dieser Ungetüme ausgestattet.

Technische Perfektion in Verbindung mit langlebigem Design ist nur ein Aspekt der Firmenphilosophie: Ebenso wichtig ist es für Burmester, auch in der Entwicklung neuer Produkte vorn zu liegen. Sein „Power Conditioner“, der nichts tut, als die Netzspannung zu glätten und für optimalen Klang aufzubereiten, wurde im vergangenen Jahr rund 200mal verkauft, Stückpreis: 4450 Euro. Als er in den Neunzigerjahren auch mit dem Bau von Lautsprecherboxen begann und den Tieftöner an die Seite montierte, galt diese Methode als akustisch nicht beherrschbar; heute ist sie quer durch den Markt schon fast der Normalfall. Andere Innovationen wie der Riemenantrieb bei CD-Spielern ließen sich wegen hoher Kosten kaum nachahmen, gelten aber als klanglich unschlagbar. Ohnehin verzichtet Burmester gern darauf, Einzelheiten des Klangbildes zu sezieren: die „Emotion“ muss stimmen, meint er. Dass dies so ist, bestätigen ihm Testberichte aus der ganzen Welt, in denen die Berliner Geräte meist zur Referenz erhoben werden.

Burmester sieht sich mit seinen Audiosystemen weiter im Trend. Einerseits gibt es den Boom bei DVD und Multikanalsystemen, andererseits glaubt er, dass viele Hobby-Elektroniker zur Musik zurückkehren, weil sie den PC als ausgereizt empfinden: „Die merken jetzt eben, dass sie mit den Dingern zu Hause auch nichts anderes machen können als auf der Arbeit.“ Die Entwicklungsschwerpunkte folgen den aktuellen Themen – neue Marktchancen wittert Burmester aber vor allem in der Ausstattung von Luxusautos, und auch begüterte Jachtbesitzer sind im Visier: für sie gibt es seit Herbst eine eigene Produktlinie. Grundprinzip: Investiert wird nur verdientes Geld, kein gepumptes, an einen Börsengang hat der Chef auch im Boom nie gedacht. Dass allerdings die Steuergesetze ihn an größeren Investitionen hindern, sagt er ebenfalls ganz klar. Karoline Beck, die Berliner Vorsitzende der ASU, nickt beifällig. Vielleicht schafft sie es ja noch, ihn in ihre Vereinigung aufzunehmen...

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