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Eurovision Song Contest : Aufbauhilfe für Baku

04.02.2012 00:00 Uhrvon
Eskapaden am Kaspischen Meer. Die „Baku Crystal Hall“ wird nach Entwürfen des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner auf einer Landzunge gebaut.Bild vergrößern
Eskapaden am Kaspischen Meer. Die „Baku Crystal Hall“ wird nach Entwürfen des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner auf einer Landzunge gebaut. - Foto: gmp Architekten.

Das Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner hat die Halle für den Eurovision Song Contest in Aserbaidschan entworfen - und Berliner illuminieren die Fassade.

Ob Deutschland am 26. Mai beim Eurovision Song Contest in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baiku musikalisch auf einem vorderen Platz landen kann, ist völlig offen, und in der Auswahlshow „Unser Star für Baku“ ist der Sieger auch noch nicht gekürt. Doch zwei deutsche Gewinner gibt es schon jetzt: Die Veranstaltungsarena „Baku Crystal Hall“ mit 25 000 Plätzen entsteht nach Entwürfen des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp), und die Berliner Firma „Lichtvision“ illuminiert die Fassade.

Die zackenförmige Halle – Architekt Volkwin Marg spricht von einer „kristallinen Gebäudestruktur“ – ist in verschiedener Hinsicht ungewöhnlich.

Das markante Äußere erfülle den Wunsch Aserbaidschans, als „Brücke zwischen Asien und Europa eine weithin sichtbare und medial wirksame Landmarke zu schaffen“, sagen die Planer. Zum Standort in der Hafenstadt wurde eine kleine Halbinsel mitten im Kaspischen Meer.

Aber auch die Bauweise ist ganz anders als bei den bisherigen Projekten von Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg. Zu diesen gehörten in den vorigen vier Jahrzehnten unter anderem der Flughafen Tegel, der Berliner Hauptbahnhof, WM-Fußballstadien in Südafrika und Brasilien sowie Opernhäuser und das Nationalmuseum in China.

Weil Baku erst im Mai 2011 durch den Sieg von Ell und Niki aus Aserbaidschan zum Ausrichterland des Eurovision Song Contest wurde, blieben nur acht Monate Planungs- und Bauzeit für die „Crystal Hall“. Im vorigen August ging es los, und im März soll alles fertig sein. Laut gmp würde der Bau eines vergleichbaren Veranstaltungsortes, etwa eines Fußballstadions, normalerweise vier bis fünf Jahre dauern. In Baku beschleunigt eine „modulare Bauweise“ die Arbeit. Die 206 Meter lange, 168 Meter breite und 25 Meter hohe Halle ist kein normaler Stahlbetonbau, die tragende Konstruktion wird in reiner Stahlbauweise aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzt. Genau genommen besteht die Halle aus drei von- einander unabhängigen Bauteilen. Die silberne Außenfassade ist aus Kunststoff, sie soll vor Wind schützen, aber Licht durchlassen.

Bauherr ist ein staatliches aserbaidschanisches Komitee. Die Kaukasusrepublik will die Halle über den Song Contest hinaus nutzen. Die Architekten betonen deshalb, es handele sich „um keine Konzerthalle im klassischen Sinn“, sondern um eine „multifunktionale Indoor-Arena“, in der zum Beispiel auch Sportveranstaltungen möglich seien.

Das 1965 in Hamburg gegründete Architektenbüro hat heute neun Büros in Deutschland, China, Vietnam und Brasilien. Federführend in Baku ist die Berliner Niederlassung. Deren Chef Hubert Nienhoff hat die Halle zusammen mit Volkwin Marg sowie den gmp-Architekten Markus Pfisterer und Silke Flaßnöcker entworfen, die Projektleiter sind. Für die eigentlichen Bauarbeiten sind die Konzerne Alpine Bau Deutschland und Nüssli International zuständig. Die europäischen Fernsehanstalten hätten bereits „ihr Vertrauen in die Halle ausgesprochen“, sagt Projektleiter Pfisterer. Und wie viel kostet das Ganze? „Das wird auf Wunsch des aserbaidschanischen Präsidenten streng geheim gehalten“, wehrt ab.

Für wechselnde bunte Lichtspektakel werden 9500 LED-Leuchten in die Fassade integriert, die sich einzeln per Computer ansteuern lassen. Das auf Lichtdesign spezialisierte Charlottenburger Unternehmen Lichtvision will so Stimmungen erzeugen, die zum Verlauf des Events passen. Auch Lichtvision hat viel Erfahrung: Zu den Referenzen gehören Museen, Konzertsäle, der Ort der Information unter dem Holocaust-Denkmal, der Goya-Club am Nollendorfplatz und die Außenbeleuchtung bekannter Bauten – darunter das Rote Rathaus und das Haus der Kulturen der Welt.

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