Extremwetter und Stadtplanung : Die Stadt als Schwamm im Klimawandel

Sturzregen und Hitze 2016 sind Vorboten einer wärmeren Welt, meinen deutsche Klimaexperten. Die Städte müssen sich auf mehr Wetterextreme einstellen.

Grün hält trocken: Pflanzen stoppen Regen, bevor er durch Städte rauscht. Hier das Dach eines Öko-Hauses des Architekten Frei Otto in Berlin.
Grün hält trocken: Pflanzen stoppen Regen, bevor er durch Städte rauscht. Hier das Dach eines Öko-Hauses des Architekten Frei Otto...Foto: Stephanie Pilick/dpa

Heftige Gewitter, Sturzfluten und Hitzeperioden: Der wechselhafte Sommer in Deutschland ist Experten zufolge womöglich ein „Vorgeschmack“ auf eine künftig wärmere Welt. Das Deutsche Klima Konsortium (DKK), dem unter anderem der Deutsche Wetterdienst (DWD), wissenschaftliche Institute und Bundesbehörden angehören, fordert mehr Anpassung an den Klimawandel. Dazu gehörten neben besseren Wettervorhersagen auch eine vorausschauende Städteplanung und eine neue „Kultur im Umgang mit Naturgefahren“, erklärte DWD-Vizepräsident Paul Becker.

Weltweit wird der Sommer 2016 wahrscheinlich der wärmste seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1880 sein. Die Rekorde werden durch das Zusammentreffen von Klimawandel und dem natürlichen Klimaphänomen El Niño begünstigt. Das Wetter in Mitteleuropa steht weniger im Zusammenhang mit El Niño und der Sommer war hier vor allem wechselhaft, aber nur etwas zu warm. Und es gab Extreme: Neben der aktuellen Hitze etwa die über 48 Stunden anhaltende Großwetterlage, bei der in Niederbayern Schäden in Milliardenhöhe entstanden und mehrere Menschen starben, nachdem etwa im Ort Simbach 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen waren. Die Projektionen von Klimamodellen ließen eine Zunahme solcher Wetterlagen vermuten, erklärte Becker. Die erlebten Sturzfluten könnten „an jedem Ort in Deutschland eintreten“, warnte er.

Gefragt ist eine „wassersensible Stadtentwicklung“

Die Präsidentin des Umweltbundesamts Maria Krautzberger betont, Folgen der Klimaveränderung müssten schon bei der Stadtplanung berücksichtigt werden. Das heiße, „Städte so zu gestalten, dass Wasser ohne Schäden abfließen kann – sei es über begrünte Dächer oder öffentliche Plätze, die kurzfristig geflutet werden können“. Eine solche „Schwammstadt“ beuge Überschwemmungen vor. Als Beispiel nennen die Experten die Hamburger Gründachstrategie: Begrünte Dächer verzögern den Abfluss von Regenwasser und schaffen ein gesünderes Stadtklima, mehr Artenvielfalt und höhere Lebensqualität.

Hoch aufgelöste Risikokarten können helfen, bei Starkregen helfen, Fließwege und mögliche Überflutungen zu zeigen und eine „wassersensible Stadtentwicklung“ zu planen. Die Starkregenkartierung steht in Deutschland aber erst am Anfang. Unna gehört zu den Städten, die so eine Karte schon haben, mit der sich Vorsorgemaßnahmen wie Ausweichflächen, Zwischenspeicher und bessere Kellerabdichtungen planen lassen– Anpassungen „an den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel“, wie Krautzberger sagt. (AFP/epd)

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben