Kampfradler-Debatte : Kämpfen, Radler, kämpfen!

In der Vorwoche veröffentlichten wir einen Appell an Berlins Autofahrer, ihre Missetaten nicht immer gegen die der Radler aufzurechnen. Danach brach sich die Wut über sogenannte „Kampfradler“ erst richtig Bahn. Zeit, dass sich mal einer zu Wort meldet.

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Ein rotes Herz für Radfahrer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein echter Kampfradler hier stehen bleibt.
Ein rotes Herz für Radfahrer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein echter Kampfradler hier stehen bleibt.Foto: dpa

Zugegeben, Fahrradfahrer können nerven. Mal fahren sie mitten auf der Spur und halten den Verkehr hinter sich auf, obwohl es doch nebenan einen Fahrradweg für sie gibt. Mal drängen sie am Stau vorbei und gefährden zahllose Außenspiegel. Dann wieder halten sie einfach nicht an den Ampeln. Schlimmer noch: Nur, weil sie kein Abgas und keinen Lärm verursachen, halten sie sich für die besseren Menschen. Doch, ich weiß, worüber ich schreibe. Auch ich fahre gelegentlich mit dem Wagen. Zu West-Berliner Zeiten habe ich sogar fünf Jahre als Taxifahrer meine Brötchen verdient. Als Autofahrer hat man schon seine liebe Not mit diesen Gutmenschen auf ihren Drahteseln.

Aber, liebe Blechpiloten, habt ihr je darüber nachgedacht, warum so viele Mitbürger, die im übrigen Leben brav und gesetzestreu sind, auf dem Rad bedenkenlos gegen Verkehrsregeln verstoßen und dabei keinerlei Unrechtsbewusstsein zeigen?

Berlin fährt Rad
Beim Anschließen bitte genau hinschauen, auch an Fahrradbügeln: Hier nutzten Diebe wohl eine Säge oder Flex. Gesehen vor dem Ring-Center in der Frankfurter Allee, Friedrichshain.
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1 von 394Foto: Henning Onken
07.06.2016 10:11Beim Anschließen bitte genau hinschauen, auch an Fahrradbügeln: Hier nutzten Diebe wohl eine Säge oder Flex. Gesehen vor dem...

Wer das nicht beantworten kann, dem sei empfohlen, es einfach selbst zu versuchen. Keine Bange, der Zeitverlust ist minimal. Innerhalb des S-Bahnrings erreicht der halbwegs geübte Radler die meisten Ziele so schnell wie jene, die mit dem Anderthalb-Tonnen-Panzer ihre Zeit im Stau verschwenden. Womit Sie allerdings rechnen müssen, ist eine grundlegende Erfahrung von Benachteiligung und Unrecht. So wird es Ihnen fast unmöglich sein, auch nur eine halbe Stunde durch die Innenstadt zu radeln, ohne dass ein PS-Idiot Ihnen die Vorfahrt nimmt, den Weg abschneidet, direkt vor Ihnen die Tür öffnet oder so dicht an Ihnen vorbeifährt, dass ein paar Zentimeter Abweichung reichen würden, Ihnen alle Knochen zu brechen. Mir jedenfalls ist das in den 35 Jahren als Radfahrer in dieser Stadt gewiss schon mehr als tausend Mal passiert.

Und wissen Sie was? Noch nie habe ich erlebt, dass ein Polizist einen dieser Rowdys, die mit meinem Leben spielen, zur Rechenschaft gezogen hat – selbst wenn eine Streife in der Nähe war. Vom Unrechtsbewusstsein der Täter ganz zu schweigen. Wer sie, wenn das mal möglich ist, auf ihre Missetaten anspricht, trifft fast immer auf völlige Ignoranz.

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