Familienpolitik in Berlin : Verband will kinderreiche Familien unterstützen

Knapp 50 000 Familien mit mindestens drei Kindern leben in Berlin. Ein neuer Verband will ihre Interessen vertreten. Zu tun gibt's genug.

von
50 000 Familien in Berlin haben mindestens drei Kinder.
50 000 Familien in Berlin haben mindestens drei Kinder.Foto: picture alliance / dpa

Lange ist’s her – da entdeckten Konrad Adenauer und die Deutsche Bahn ihr Herz für kinderreiche Familien. Seit den fünfziger Jahren konnte ihr Nachwuchs mit dem sogenannten Wuermeling-Ausweis – benannt nach dem damaligen Familienminister – für die Hälfte des normalen Fahrpreises mit der Bahn kreuz und quer durch die alte Bundesrepublik reisen. Und auch in der DDR gab es Vergünstigungen für große Familien. Als kinderreich galten damals Familien mit mindestens drei Kindern. Und die waren zu den „Babyboomerzeiten“ beinahe die Regel. Selbst vier oder fünf Kinder waren seinerzeit keine Seltenheit.

Den „Wuermeling“ gibt’s schon seit vielen Jahren nicht mehr; inzwischen fahren nämlich alle Jungen und Mädchen bis 15 Jahre kostenlos mit der Bahn. Aber Deutschland klagt mindestens genauso lange über eine niedrige Geburtenrate, Überalterung der Gesellschaft und den demografischen Wandel. Trotzdem: Es gibt sie noch – die kinderreichen Familien. Das Amt für Statistik beziffert sie in Berlin auf knapp 50 000 – in jedem achten Haushalt mit Kindern leben demnach mindestens drei Kinder.

Auf Bundesebene gibt es den „Verband kinderreicher Familien Deutschland“ schon seit 2011. Jetzt wollen sie auch in Berlin Gehör finden und haben deswegen einen Landesverband gegründet. 120 Familien haben sich in ihm schon zusammengeschlossen, sagt der Vorsitzende des Berliner Landesverbandes, Johannes Bronisch; der Wissenschaftsmanager hat selbst vier. Mitglied kann jeder werden, der mindestens drei Kinder hat. Bundesweit werden 16 000 Mitglieder gezählt – Eltern und Kinder.

Da Geld, das in großen Familien schnell knapp werden kann, kein Hindernis sein soll, werde kein Verbandsbeitrag erhoben, sagt Bronisch. Man wolle alle Familien erreichen, auch jene mit Migrationshintergrund.

In Deutschland im Allgemeinen und in Berlin im Besonderen gebe es großen Nachholbedarf an einer Politik, die auch die Interessen von großen Familien angemessen berücksichtigt, sagt Bronisch. Familien hätten beispielsweise gesellschaftlich das größte Armutsrisiko. Bei der sich in Berlin verschärfenden Wohnungsnot habe der Senat durchaus Möglichkeiten, die besonderen Bedürfnisse der Familien mit vielen Kindern zu berücksichtigen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar