Filmprojekt zum Mauerfall-Jubiläum : Helden wie Hasselhoff

"Tear down this wall!", forderte einst US-Präsident Reagan, doch wer wirklich den DDR-Grenzwall ins Wanken brachte, zeigt jetzt eine neue Doku. Der Streifen soll im Herbst in die Kinos kommen.

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Der US-Showstar ist erklärter Berlin-Fan und engagiert sich für den Erhalt der East Side Gallery.
Der US-Showstar ist erklärter Berlin-Fan und engagiert sich für den Erhalt der East Side Gallery.Foto: Britta Pedersen/dpa

The Hoff entert dynamisch den Besprechungsraum im Adlon, ist kurz irritiert, weil sich keine Fotografenmeute auf ihn stürzt, überspielt die Enttäuschung mit einem Witz. Dann beginnt die Pressekonferenz zum Thema: Hat David Hasselhoff mit seinem Popsong „Looking for freedom“ die Berliner Mauer zu Fall gebracht? Hasselhoff trägt blaues Sakko zum aufgeknöpften schwarzen Hemd, das beim Zurücklehnen eine intakte Brustbehaarung offenbart.

Er fängt an zu erzählen, wie er in der Sauna in Schweden zwei Männer ohne Badehose traf und bei sich dachte: Germans! Dann schwenkt der Erzählfaden zu verrückten Fans in Leeds, später nach Wien, dann zu seinen Töchtern – „oh, ich hab’ den Faden verloren.“ Ach ja, der Film!

"Looking for freedom" war der Sommerhit von 1989

Der 61-jährige Ex-Fernsehstar (Knight Rider, Baywatch) ist die Hauptfigur in einem Dokumentarfilm, Arbeitstitel „Mr. Hasselhoff, tear down this wall!“ Es geht um das Ende der DDR und die Rolle seines Freedom-Songs, des Sommerhits von 1989. Am Silvestertag sang er damals vor einer halben Million Menschen am Brandenburger Tor. Der Songtext hat nichts mit dem Ausbrechen aus einer Diktatur zu tun – aber wer verstand schon den ganzen Text? Die Zeile „I’ve been looking for freedom“ ließ sich zumindest in die gewünschte Richtung interpretieren.

Hasselhoff sagt, er habe selbst niemals behauptet, „irgendetwas mit dem Fall der Mauer zu tun zu haben“. 1989 habe er von Mauer, DDR und den Demonstrationen keine Ahnung gehabt. Er sei wegen der ZDF-Hitparade nach Deutschland geflogen und wollte Werbung für sein Album machen. Ein paar Sätze später sagt er aber auch: „Ein Mann kann die Welt verändern.“

Ein Bild von Hasselhoff kommt ins Mauermuseum

Im Film wird er als verkannter Held gewürdigt. Viele Ostdeutsche hätten ihm erzählt, der Song sei für sie wichtig gewesen. Und deshalb begann Hasselhoff, sich für ihre Geschichte zu interessieren. Vor zehn Jahren besuchte er das Mauermuseum und fragte die Chefin – ganz arglos –, warum sein Bild denn nicht hier hänge. Am Mittwochnachmittag sollte das nachgeholt werden. Man habe für das Museum eine Fotografie seines Auftritts am Brandenburger Tor erworben, sagte US-Filmemacher Mark Hayes. Anschließend sollte The Hoff noch einen Ampelmann-Shop Unter den Linden eröffnen.

Mark Hayes hat selbst eine DDR-Vergangenheit. Als Journalist lernte er 1985 in der Nähe von Jena ein Mädchen kennen: Gabi Voigt. Sie verliebten sich und heirateten 1989. Heute leben sie in Kalifornien. Der Film hat aber nichts mit ihrer privaten Geschichte zu tun. Es ging darum, das Sujet Mauerfall zum 25. Jahrestag mit einem populären Aufhänger, eben Hasselhoff, zu verknüpfen. Um ihn zum Mitmachen zu bewegen, brauchte es schon den einen oder anderen Dollar. Hasselhoff befürchtete zunächst, der Film könnte auch als Satire durchgehen.

Vera Lengsfeld zeigte Hasselhoff ihre Zelle

Weitere Popstars treten nicht auf, abgesehen von Marc Seaberg, der „Looking for Freedom“ ein Jahrzehnt vor Hasselhoff interpretierte. Im Film singen die beiden das Lied erstmals gemeinsam, aufgenommen in den Hansastudios. Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld zeigt Hasselhoff ihre Zelle im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Die Stasi selbst war 1989 an Hasselhoff nicht interessiert, erzählt Hayes. Auch bei der CIA fragte er vergeblich an. Egon Krenz wollte auch nicht mitmachen.

Hasselhoffs historische Rolle ist noch nicht überall anerkannt. Sein Name fehlt in den Geschichtsbüchern. Vielleicht hilft der Film jetzt weiter. Im Herbst soll er in die Kinos kommen.

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