Filzverdacht bei Flughafen GmbH : Verdächtige Auftragsvergabe bei der Tegel Projekt

Ein Geschäft der landeseigenen Tegel Projekt wirft jede Menge Fragen auf. Den Auftrag von 240.000 Euro erhielt die Firma eines leitenden Mitarbeiters.

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Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Wenn der Vertriebschef eines öffentlichen Unternehmens gleichzeitig eine private Firma leitet, die von dem Landesbetrieb einen lukrativen Auftrag erhält, ist das kein normaler geschäftlicher Vorgang. Im konkreten Fall geht es um die Tegel Projekt GmbH, zuständig für die Nachnutzung des Flughafens Tegel, und deren leitenden Mitarbeiter Bernhard Hildebrand. Der ist außerdem Geschäftsführer von USC Standortkonzept, spezialisiert auf „städtebauliche und immobilienwirtschaftliche Entwicklungsprozesse“.

Hildebrand wurde Anfang 2012 bei der Tegel Projekt eingestellt, dem Vernehmen nach ohne vorherige Ausschreibung, was im Aufsichtsrat damals für Diskussionen sorgte. Er leitet das Marketing und den Vertrieb. Seine eigene Firma USC beteiligte sich Ende 2012 an einer Ausschreibung der Tegel Projekt, es ging um die Erstellung von Karten, Grafiken und um Beratungsleistungen. Ein Auftrag über mehrere Jahre, mit einem Gesamtvolumen von 240 000 Euro. Das Vergabeverfahren begann im November 2012 mit einer Interessensbekundung, die Ausschreibungsfrist war mit gut drei Wochen bemerkenswert kurz, dazwischen lagen Weihnachten und Silvester. Hildebrands USC erhielt den Zuschlag, obwohl ein Konkurrent preisgünstiger war.

Das klingt problematisch – und hat ein Nachspiel. Denn die Tegel Projekt ist eine Tochtergesellschaft der landeseigenen Wista-Management GmbH, für die seit Juli dieses Jahres eine neue, sehr strenge Antikorruptions-Richtlinie gilt, die eine Vergabe von Aufträgen an eigene Mitarbeiter verbietet. Das führte dazu, dass sich die Chefetage der Tegel Projekt GmbH mit Philipp Bouteiller an der Spitze an den „Fall Hildebrand“ erinnerte und das Beratungsunternehmen PWC damit beauftragte, die Vergaben an USC, insgesamt zwei, zu untersuchen.

„Uns war schon 2012 bewusst, dass ein Interessenkonflikt vorliegen könnte, wenn Herr Hildebrand das Vergabeverfahren hausintern begleitet hätte“, sagte Bouteiller dem Tagesspiegel. Deshalb sei er davon ausgeschlossen worden, ein externer Dienstleister hätte die Auftragsvergabe übernommen. In vier bis sechs Wochen werde PWC die Ergebnisse der Prüfung vorlegen, „um eventuell notwendige Konsequenzen zu ziehen“.

Bouteiller sieht bisher aber „keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten“ Hildebrands. Zumal die Vergabe an USC nicht nur vom Preis, sondern auch von der Qualität abhängig gewesen sei. Der Wista-Aufsichtsrat befasste sich am Donnerstag mit dem Thema. „Die Vorwürfe werden untersucht, das Ergebnis bleibt abzuwarten“, hieß es in der Wirtschaftsverwaltung des Senats, deren Staatssekretär Henner Bunde (CDU) das Gremium leitet. Ulrich Zawatka-Gerlach

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