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Flughafen BER : Ex-Planer Alfredo di Mauro war offenbar Hochstapler

Dass am Flughafen BER in Berlin noch immer keine Flugzeuge abheben, liegt vor allem an der Entrauchungsanlage. Vielleicht kein Wunder: Deren entlassener Chefplaner Alfredo di Mauro war gar kein Ingenieur.

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Am BER sollten die Flugzeuge längst starten.
Am BER sollten die Flugzeuge längst starten.Foto: dpa

Darf am Flughafen BER jeder planen? Unter Leitung von Alfredo di Mauro und seinem Büro war die – nicht funktionierende – Entrauchungsanlage geplant worden. Und jetzt berichtet der „Stern“, dass di Mauro gar kein ausgebildeter Ingenieur, sondern nur technischer Zeichner sei. Di Mauro war Anfang Mai von Flughafenchef Hartmut Mehdorn gefeuert worden. Der Flughafen äußerte sich bisher nicht zu dem Bericht. Auch di Mauro war bisher nicht zu erreichen.

Die fristlose Kündigung hatte die Flughafengesellschaft mit „schweren Mängeln“ bei der Arbeit begründet. Das Vertrauensverhältnis sei „nunmehr endgültig zerrüttet“, hieß es. Di Mauros Pläne würden nicht mehr gebraucht und „der Entsorgung zugeführt“.
Unbeantwortet bleibt jetzt vorläufig die Frage, wie die Flughafengesellschaft Firmen prüft, ehe sie einen Auftrag vom Flughafen erhalten. Wer ein Ingenieur-Büro leitet, müsse allerdings nicht zwingend auch selbst ein Ingenieur sein, heißt es in der Branche. Di Mauro habe aber den Eindruck erweckt, ein ausgewiesener Fachmann zu sein, ist am Flughafen zu hören. Auch gegenüber dem „Stern“ habe di Mauro zunächst behauptet, er sei ein ausgebildeter Ingenieur, teilte das Magazin am Dienstag mit. Di Mauros Anwalt habe dann aber bestätigt, dass sein Mandant lediglich einen Gesellenbrief als technischer Zeichner habe.


Den Vorwurf der Hochstapelei habe di Mauro als „völlig absurd“ bezeichnet. Er habe seit 2006 am Ausbau des BER-Flughafens mitgearbeitet – zunächst als freier Mitarbeiter einer Ingenieurfirma, die dann aber 2010 Insolvenz anmelden musste. Anschließend habe er zwei eigene „Ingenieurbüros“ geleitet, die 2012 und 2013 weitere Aufträge von der Flughafengesellschaft erhalten hätten. Um welche es sich dabei handelte, ist bisher nicht bekannt. Große Aufträge müssen europaweit ausgeschrieben werden.

Zuvor hatte die „Offenbach-Post“ berichtet, dass di Mauro bereits vor zwölf Jahren als Generalübernehmer für den Bau eines Ärztehauses in Offenbach für Baupfusch verantwortlich gewesen sei. Unter anderem habe sich damals im Untergeschoss des Rohbaus wegen einer unzureichenden Drainage ein See gebildet, Aufzüge seien zu klein konzipiert gewesen, die Elektroinstallation unzureichend. Das Ärztehaus sei ein Jahr später als geplant mit Mehrkosten in Höhe von 600.000 Euro fertig geworden, was die Bauherren fast in die Pleite getrieben habe. Di Mauro hatte den Bericht umgehend dementiert.

Am Flughafen wird die von di Mauro geplante Entrauchungsanlage im Terminal nun umgebaut und in drei Bereiche aufgeteilt, um sie „beherrschbar“ zu machen. Kosten: ein dreistelliger Millionenbetrag. Nachdem die Flughafengesellschaft auch den Entrauchungsexperten Jochen Großmann wegen Korruptionsverdachts entlassen hatte, bot di Mauro über Medien an, wieder in die Planung einzusteigen. Dies lehnte die Flughafengesellschaft ab.

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