Flughafen Berlin-Brandenburg : BER-Start am 30. Juni 2018? Kaum zu schaffen!

Im Sommer nächsten Jahres soll der Berliner Flughafen eröffnen – vielleicht. Doch selbst dieser Eröffnungstermin ist kaum noch zu schaffen.

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Könnte die BER-Baustelle tatsächlich im Sommer 2018 ein Ende haben? Nach Tagesspiegel-Recherchen ist das unwahrscheinlich. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Könnte die BER-Baustelle tatsächlich im Sommer 2018 ein Ende haben? Nach Tagesspiegel-Recherchen ist das unwahrscheinlich.Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Für die Eröffnung des neuen Flughafens peilt Manager Karsten Mühlenfeld intern nun den „30.06.2018“ an. Dieses Datum nannte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) nach Informationen der „Bild am Sonntag“ zumindest gegenüber der für die Objektüberwachung zuständigen Firma, die nun wie alle am BER länger beschäftigt und bezahlt wird. In dem Schreiben der FBB, mit dem ein Pauschalangebot zur Verlängerung der Arbeiten eingeholt werden soll, ist demnach von der „Zielsetzung der Eröffnung des Flughafens zum 30.06.2018“ die Rede.

Doch nach Tagesspiegel-Recherchen wäre selbst dieser Termin kaum zu halten, wäre das Risiko einer sechsten Verschiebung des BER-Starts von vornherein groß, wird der BER realistisch nicht vor Herbst 2018 in Betrieb gehen können.

Einen verlässlichen Termin kann es nach Mühlenfeld jetzt noch nicht geben

Zudem kollidiert das Datum mit einer Vorgabe des Bundes, dass der BER-Starttermin wegen Vorbereitungszeiten der Deutschen Flugsicherung mindestens 13 Monate vorher bekannt gegeben werden muss. Das hatte Staatssekretär Michael Odenwald aus dem Bundesverkehrsministerium in einem Schreiben vom 3. Januar 2017 an Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider bekräftigt.

Im elften Jahr wird der BER immer närrischer
Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012. Foto: Michael Kappeler/dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 39Foto: Patrick Pleul/dpa
06.03.2017 08:02Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.

„Die DFS teilt hierzu mit, dass sie zwingend an einer Mindestvorlaufzeit von 13 Monaten für die Bekanntgabe des BER-Inbetriebnahmetermins festhält“, hieß es. Wolle man „nicht die gleichen Rahmenbedingungen wie für die ursprünglich geplante Inbetriebnahme 2012“, so schrieb Odenwald, „kann eine Vorlaufzeit von über 13 Monaten erforderlich werden“. Dann müsste spätestens im März 2017 ein Termin festgelegt werden. Doch hatte selbst Mühlenfeld klargestellt, dass er einen verlässlichen Termin erst festlegen kann, wenn die Bauarbeiten im Terminal fertig und weitere Bedingungen erfüllt sind.

Zwei Kilometer Hauptrohre müssen ausgetauscht werden

Berlins Regierender Michael Müller (SPD) hatte letzte Woche erklärt, dass die Verzögerungen wegen nicht funktionierender Automatiktüren und die zu gering dimensionierte Sprinkleranlage „vier bis sechs Monate“ betragen. So muss die Firma Caverion jetzt zwei Kilometer Hauptrohre des Sprinklersystems durch größere Leitungen austauschen, damit es aus den seit 2012 eingebauten zusätzlichen 29.000 Sprinklerköpfen – 800 Räume wurden erst nachträglich an die Entrauchungsanlage angeschlossen – im Brandfall nicht nur tröpfelt. Die nötigen Berechnungen zur Funktionsfähigkeit hatte der Flughafen vergessen und erst jetzt nachgeholt. Allein der Bau des BER wird damit nicht vor Sommer 2017 fertig sein.

Und danach müssen noch alle Systeme einreguliert und aufeinander abgestimmt, alles abgenommen werden, damit der Probebetrieb (ORAT) mit tausenden Komparsen folgen kann. Allein für diese Phase nach Bauende waren im 2014 beschlossenen Terminplan für 2017 zwölf bis fünfzehn Monate eingeplant, was dann wegen all der Rückstände immer mehr gestaucht wurde – bis zur lange überfälligen Absage des Starttermins.

Trotzdem setzt der Flughafen weiter auf Parallelverfahren zur Beschleunigung. So will sich Mühlenfeld – ähnlich wie die Verantwortlichen im Jahr 2012 – beim Bauordnungsamt des Kreises Dahme-Spreewald eine Genehmigung holen, schon vor der Gesamtabnahme des neuen Airports mit dem Probebetrieb zu beginnen. Grünes Licht aus Lübben gibt es bisher nicht.

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