Berlin : Für 24 Cent nach Berlin

Busunternehmen aus Posen bietet BER-Fahrten an Polnische Regierung investiert in Regionalairports.

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Kampfpreis. Zur BER-Eröffnung rollen rote Busse aus Polen an. Foto: promo
Kampfpreis. Zur BER-Eröffnung rollen rote Busse aus Polen an. Foto: promo

Kaum wird der neue Flughafen Berlin-Brandenburg am 3. Juni eröffnet sein, nimmt der Warschauer Flughafen Modlin zur Fußball-EM Euro 2012 den Betrieb auf. Charter und Billigflieger sollen das Flugfeld im Norden der polnischen Hauptstadt benutzen, denn der Flughafen Warzawa-Okecie unweit des Stadtzentrums ist zu klein geworden. Die Konkurrenz aus Berlin-Brandenburg fürchtet man in Modlin nicht. „Für uns bedeutet der BER keine Gefahr“, sagt der Vizepräsident des neuen Flughafens, Marcin Danil. „Der BER schafft vielmehr neue Möglichkeiten“, sagt Danil, der von Verbindungen Warschau-Modlin über Berlin nach Fernost träumt.

Auch im Warschauer Transportministerium gibt man sich unbeeindruckt. Soeben hat das Ministerium seine neue Liste der bis 2015 geplanten Investitionen in die Flughäfen veröffentlicht. Neben dem Flughafen Warszawa-Okecie wird vor allem in die westpolnischen Flughäfen von Wroclaw (Breslau) und Poznan (Posen) investiert – und zwar je fast 100 Millionen Euro. Sogar der Regionalflughafen Szczecin-Goleniow, der fast gleich viele Autominuten wie Berlin von Stettin entfernt liegt, soll noch 35 Millionen Euro bekommen. Von der EU finanziert wird dabei – anders als im Straßenbau – weniger als die Hälfte.

Seit 2004 erlebt Polen einen wahren Aufschwung der Regionalflughäfen. Die Auswanderungswelle nach dem EU-Beitritt vor allem nach Irland und Großbritannien hat eine Reihe von Billigfluglinien in die Provinz gelockt, gerade auch in der strukturschwachen deutsch-polnischen Grenzregion. Inzwischen bieten sie jedoch typische Urlaubsverbindungen nach Spanien und Italien an. Innerhalb von sechs Jahren verdoppelten die Regionalflughäfen ihre Passagierzahlen auf fast 20 Millionen Passagiere. Den Breslauer Flughafen sollen nach dem Willen des Verwaltungsrates nach der Eröffnung eines neuen Terminals vermehrt auch Deutsche benutzen, vor allem aus Sachsen. „Wenn wir bessere Parkplätze und mehr Verbindungen als Dresden anbieten, können sie von hier aus abfliegen“, sagte Flughafenchef Dariusz Kus im Zeitungsinterview.

Etwas näher an Berlin beginnt jedoch bereits die BER-Euphorie. In Poznan (Posen) hat die Autobusgesellschaft Polski-Bus bereits eine Direktverbindung zum Großflughafen aufgenommen. Zum Einführungspreis von umgerechnet 24 Cent können Fluggäste kurz vor 5 Uhr oder um die Mittagszeit direkt zum BER reisen. Polski-Bus rechnet mit einer großen Nachfrage. „Von Poznan-Lawica oder Warzawa-Okecie aus gibt es weit weniger Reisedestinationen“, begründet Piotr Pogonowski von Polski-Bus seinen Optimismus. Reisende geben dem Busunternehmer in vielen Diskussionsforen recht. „Endlich ist Schluss mit dem Warschauer Schmutz und dem Stau zum Flughafen Okecie“, schreibt ein polnischer Fan des BER. Im grenznahen Zielona Gora (Grünberg), wo der lange vor sich hinsiechende Regionalflughafen Babimost nun endlich auch ausgebaut werden soll, haben Lokalpolitiker angesichts des BER bereits lautstark den Sinn solcher Investitionen hinterfragt. Der Flughafenbetreiber will nun mit Nachtflügen eine Geschäftslücke finden. Je näher sich die polnischen Lokalflughäfen zu Berlin befinden, desto größerer Druck ist zu spüren. Der Vorteil des BER sei auch, dass viele Reiseziele ohne Umsteigen in Warschau angeflogen werden könnten, hießt es unter reisefreudigen Polen in Zielona Gora und Poznan. Die Vertreter der kleinen polnischen Regionalflughäfen sind dennoch optimistisch. „Der Pole will nah vom Wohnort und günstig fliegen, deshalb sind bei uns die Regionalflughäfen so gewachsen“, sagt der Vizepräsident des Warschauer Flughafens Okecie.

Geschäftsreisende seien zudem nicht bereit, stundenlang im Bus zu sitzen und sich bei Stau Sorgen um den Anschlussflug zu machen. „Lasst uns endlich mit diesem Berlin in Ruhe!“ fordern zwei bekannte Lokalpatrioten aus Breslau und Poznan in einem offenen Brief jene deutschen (und polnischen) Auguren heraus, die halb Polen künftig vom BBI abfliegen sehen. Paul Flückiger, Warschau

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