Gastbeitrag von Dr. Motte : Die Gema zerstört unsere musikalische Vielfalt
14.07.2012 00:00 UhrIch fange mal so an: Seit dem Mauerfall hat sich Berlin zu einer Kulturmetropole mit vielfältiger Clubkultur entwickelt. Eine neue Jugendkultur entstand: Techno und House. Anfänglich eine Underground- und Nischenkultur, hat sie sich durch die besonderen Bedingungen der unklaren Verhältnisse im Ostteil der Stadt zu dem entwickelt, was sie jetzt ist. 40 Prozent aller Berlin-Besucher kommen wegen der kulturellen Vielfalt in die Stadt.
Alle Clubs und Veranstalter müssen laufende Kosten tragen. Einkäufe, Strom, Lohn, Miete, Steuern, abzuzahlende Kredite, Künstlergagen, Gema, GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten), unvorhersehbare Kosten.
Wenn die Rahmenbedingungen in Berlin so blieben, wie sie sind, oder nur minimal erhöht würden, könnten alle damit leben. Die Einzigartigkeit der Berliner Club- und Kulturszene ist ein Jobmotor und eine nicht unbedeutende Steuereinnahmequelle. Schätzungsweise 40000 Arbeitsplätze existieren dadurch in Berlin.
Bildergalerie: Proteste gegen die neue Gebührenstruktur bei der Gema
Zur Überlebensfähigkeit der Berliner Clublandschaft gehören ein fairer Umgang und faire Rahmenbedingungen. Dazu gehört, dass ein Verein mit einer Monopolstellung wie die Gema sich an Regeln hält und neue Tarife mit ihren Mitgliedern aushandelt. Dies ist mit der Tarifreform 2013 nicht geschehen.
Stimmen aus den Reihen der Gema behaupten, der Verein wolle lediglich zehn Prozent der Eintrittsgelder. Das ist schlichtweg falsch. Stefan Büttner, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, erklärte der Berliner Initiative „FAIRplay – Gemeinsam gegen Gemeinheiten“ bei deren Treffen am 14. Mai die vielen neuen Zuschläge, die die Tarifreform umfasst, und deren Auswirkungen auf die angeblichen zehn Prozent vom Eintrittsgeld.
Neu: der Zeitzuschlag. Veranstaltungen, die länger als fünf Stunden dauern, sollen danach im Drei-Stunden-Takt um einen Zuschlag von 50 Prozent teurer werden. Außerdem wird die gesamte Fläche der Veranstaltung herangezogen anstelle nur der bewirteten Fläche. Open Airs wie die Antaris oder die Fusion, die auf über zwei Millionen Quadratmetern Fläche stattfinden, werden so nicht mehr finanzierbar. Wollte man dies mit den Eintrittspreisen kompensieren, würde der danach gestaffelte Zuschlag immer teurer.




































