Gedenken an DDR-Volksaufstand : 17. Juni? Da war doch was?

Am 17.Juni 1953 begehrten DDR-Bürger in Ost-Berlin gegen die SED-Führung auf. Die sowjetische Besatzungsmacht schlug den Protest brutal nieder. Erinnerung an den Volksaufstand.

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Aufstand am 17. Juni in Ost-Berlin
Aufstand am 17. Juni in Ost-Berlin

Heute steht der 17. Juni im Kalender. 17. Juni? Da war doch was? Genau. Vor 62 Jahren stand der Osten Berlins für einen Tag im Zentrum des Weltgeschehens. Die Bauarbeiter der Stalinallee und die Waggonbauer aus Hennigsdorf haben mit einem Marsch zur Regierungszentrale in der Leipziger Straße gegen Normerhöhungen und eine verfehlte Politik ihrer Regierung protestiert. Sie wollten verhindern, dass die DDR so etwas wie eine deutsche Sowjetrepublik wird.

„Wir wollen freie Menschen sein!“, riefen die Demonstranten, und wie ein Lauffeuer verbreitete sich – auch mit Hilfe des West-Berliner Senders Rias – die Kunde vom Aufstand, die hunderte Städte und Dörfer erreichte. Es war die erste Revolution im sozialistischen Lager, eine traurig gescheiterte. Denn plötzlich ließ die sowjetische Besatzungsmacht ihre Panzer gegen den „faschistischen, konterrevolutionären Putschversuch“ rollen, es gab Tote, viele Verletzte.

Nur noch ein Gedenktag

Das Trauma des 17. Juni begleitete die DDR bis zu ihrem Ende. Die Kinder der Revolutionäre von 1953 kamen plötzlich 1989 sanft mit Gebeten und mit Kerzen in der Hand – und die Panzer der Roten Armee blieben in der Garage. Nun begann auch im Berliner Osten eine neue Art der Erinnerung an das historische Datum.

Vor 15 Jahren wurde in der Leipziger Straße das zwanzig Meter lange Bodendenkmal mit dem Foto marschierender Werktätiger eingeweiht, auch heute wird die SPD Mitte ihren traditionellen Rosenteppich darüber breiten. Auf dem Friedhof Seestraße werden wieder Kränze niedergelegt, einen bekommt vielleicht auch das irgendwie rührende Holzkreuz auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Chaussee in Nikolassee nahe dem einstigen Checkpoint Bravo. Es war spontan am 25. Juni 1953 errichtet worden. Die West-Berliner fuhren daran vorbei, wenn sie am 17. Juni, dem (Feier-)Tag der deutschen Einheit, aus der ummauerten Stadt flohen.

1990 wurde der 3. Oktober zum Feiertag der deutschen Einheit, der 17. Juni war nur noch Gedenktag. Eigentlich schade.

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