Gedenken an die deutsche Teilung : Am Jungfernsee werden Stelen aufgestellt

Am Potsdamer Ufer wird im Frühjahr 2018 ein Informationspfad aufgebaut, der an die DDR-Grenze erinnert. Das Projekt ist aber nur geduldet.

Marco Zschieck
Kein Durchkommen. DDR-Grenzanlagen am Jungfernsee in Potsdam, hinten ist die Meierei zu erkennen. 
Kein Durchkommen. DDR-Grenzanlagen am Jungfernsee in Potsdam, hinten ist die Meierei zu erkennen. Foto: promo/Berliner Mauerarchiv

Sie hatten Blumen abgelegt, wie in jedem Herbst, wenn an den Mauerfall ’89 erinnert wird – an den Segmenten der Hinterlandmauer am Griebnitzsee und auch am Mauerrest in Groß Glienicke, der einstigen DDR-Grenze nach Kladow in West-Berlin. 2018 soll ein weiterer Gedenkort in Potsdam hinzukommen: Die Stadtverordneten haben beschlossen, dass am Ufer des Jungfernsees im Frühjahr insgesamt neun Stelen aufgestellt werden und so an die Teilung erinnern sollen.

Mit dem neuen Projekt soll der ehemalige Grenzverlauf der deutsch-deutschen Teilung zwischen Glienicker Brücke und der Grenzübergangsstelle für den Schiffsverkehr in der Bertinistraße nachvollziehbar gemacht werden. Der Informationspfad wird in der Schwanenallee und der Bertinistraße entstehen. Das Konzept dafür wurde vom Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) zusammen mit dem Verein Erinnerungsorte Potsdamer Grenze e.V. erarbeitet.

„Wir haben nur noch auf das ,Go’ gewartet“, sagte Doktorandin Florentine Schmidtmann vom ZZF, die das Leben an der Potsdamer Grenze erforscht. Noch in diesem Jahr werde die Arbeit an den Stelen abgeschlossen. Das ist wichtig, weil die Fördermittel nur bis Ende 2017 abrufbar sind. Nach dem Winter kann die Stadt die Stelen dann vor Ort verankern.

Bilder von 1945 bis 1990

Auch Manfred Kruczek vom Forum zur kritischen Aufarbeitung der DDR-Geschichte im Land Brandenburg findet die neuen Stelen gut. 15 Jahre nachdem in Potsdam die ersten drei Infostelen zur Mauer aufgestellt wurden, gebe es endlich eine Fortsetzung.

Auf den Stelen sollen in kurzen, prägnanten, wissenschaftlich fundierten Texten in deutscher und englischer Sprache sowie Bild- und Kartenmaterial Facetten des Todesstreifens im Weltkulturerbe beleuchtet werden, teilte die Stadtverwaltung mit. Das historische Bild- und Kartenmaterial erschließt bildlich den Grenzraum in der Zeit von 1945 bis 1990.

Der Informationspfad ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Recherche zum Potsdamer Grenzraum am Jungfernsee. Schmidtmann vom ZZF untersuchte vor allem die Lebensbedingungen im Grenzgebiet, befasste sich mit Fluchtversuchen und nahm die zahlreichen Umnutzungen der im betreffenden Gebiet befindlichen Villen in den Blick. Archiv- und historisches Bildmaterial wurden dazu erschlossen und Zeitzeugengespräche aufgenommen. Die Ergebnisse in Form einer Dokumentation sollen online zugänglich sein.

Gartendenkmalpflegerische Bedenken

Das Rechercheprojekt wurde gefördert vom Land Brandenburg. Die Umsetzung des Informationspfades fördert die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit 30 000 Euro. Aus Potsdams Stadtkasse kommen 2000 Euro dazu, weitere 5000 Euro konnten durch das ZZF und den Verein Potsdamer Grenze akquiriert werden.

Im sensiblen Unesco-Welterbe-Gebiet gelegen, wurde der Informationspfad mit den zuständigen Verwaltungsbereichen intensiv abgestimmt. Das hat auch dazu geführt, dass es statt der ursprünglich geplanten zehn Stelen nur neun geben wird. Eigentlich sollten die Tafeln im Sommer am Jungfernsees aufgestellt werden. Doch es gab Verzögerungen.

Die Schlösserstiftung lehnte die dauerhafte Aufstellung von Tafeln zur Geschichte der einstigen Grenze im Neuen Garten ab. Dabei bleibe es auch, sagt Stiftungssprecher Frank Kallensee. Das geschehe aber nicht aus inhaltlichen, sondern aus gartendenkmalpflegerischen Erwägungen. An die Teilung werde sowohl dauerhaft als auch temporär im Neuen Garten, im Park Babelsberg und in Sacrow erinnert.

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