Gegen Gentrifizierung in Berlin : "Mieten-Volksentscheid" käme für viele zu spät

Nach dem erfolgreichen Start des "Mieten-Volksentscheid" ist die Initiative über die Kostenschätzung des Senats von rund 3,3 Milliarden Euro irritiert. Unterdessen wurden vor der Humboldt-Uni weiter Unterschriften gesammelt.

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Unterschriftensammlung für den Mieten-Volksentscheid an der HU in Berlin-Mitte
Unterschriftensammlung für den Mieten-Volksentscheid an der HU in Berlin-MitteFoto: Jana Demnitz

"Natürlich unterschreibe ich", sagt die Frau mit einer Überzeugung, die keinen Zweifel aufkommen lässt. Sie ist eine der vielen Unterstützer, die ohne zu Zögern die Liste für den Mieten-Volksentscheid unterzeichnet. Seit dem vergangenen Wochenende sammelt eine Berliner Initiative Unterschriften, Anfang der Woche auch vor der Humboldt-Universität in der Dorotheenstraße in Mitte.

Die Frau möchte lieber kein Videointerview geben. Sie arbeitet hier nur wenige Meter entfernt auf dem Campus. Der Chef müsse sie später nicht unbedingt im Internet sehen. Dennoch bleibt sie kurz stehen und erzählt ihre Geschichte. Wie viele Studierende hier ist auch sie aktuell von der Wohnungsnot in Berlin betroffen.

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Erfolgreicher Start für den Mieten-Volksentscheid
Erfolgreicher Start für den Mieten-Volksentscheid

Seit neun Jahren wohnt sie mit ihren zwei Kindern und ihrem Freund im Bezirk Pankow in einer Dreizimmerwohnung für 700 Euro warm. Vor wenigen Wochen hat sie von ihrem Vermieter, einem städtischen Wohnungsunternehmen, eine Modernisierungsankündugung bekommen, die Heizung und die Warmwasserversorgung sollen erneuert werden. "Dann sollen wir 1000 Euro zahlen. Das können wir uns nicht mehr leisten."

Seit Wochen suchen sie bereits etwas Neues. Erschwingliche Wohnungen haben sie bisher nur im Randbezirk Marzahn gefunden. Sie habe nichts gegen Marzahn, aber die Kinder sind in Prenzlauer Berg aufgewachsen und hätten keinen Bezug zu dem Bezirk im Osten Berlins.

Sie weiß, ein erfolgreicher Mieten-Volksentscheid käme für sie wohl zu spät. Ausreichend bezahlbare Wohnungen in der Innenstadt, so das Ziel der Initiative, würde es wohl erst wieder in ein paar Jahren geben. "Aber es sind noch viele andere Menschen in Berlin von Verdrängung betroffen." Auch deshalb hat sie heute für den Mieten-Volksentscheid unterschrieben.

Im Video sehen Sie mehr zu der Unterschriftenaktion an der HU und über die Kostenschätzung des Berliner Senats von 3,3 Milliarden Euro.

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