Berlin : Gekläffe von ganz rechts

Roland T., ein polizeibekannter Querulant, kommt vor Gericht. Er rief „Sieg Heil“, Hund „Adolf“ grüßte dazu

Tanja Buntrock

Es scheint fast so, als freue sich Roland T., 54, auf seinen Prozess am Donnerstag. Den Polizeibeamten des Abschnitts 47 in Lichtenrade habe der Rentner schon vor Tagen stolz erzählt, dass er sich im Saal 769 des Amtsgericht Tiergartens verantworten muss. Der Anklagevorwurf: Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Den Polizisten des Abschnitts 47 ist der Lichtenrader Rentner bestens bekannt: als rechtsextremer Querulant, der seine Nachbarschaft, sein Umfeld, eigentlich fast alles und jeden drangsaliert. Nun werden gleich mehrere Vorfälle aus dem vergangenen Jahr vor Gericht verhandelt. Roland T. soll am 24. Mai 2002 vor dem KaDeWe mindestens einmal lautstark „Sieg Heil“ gerufen haben. Am 26. Oktober des vergangenen Jahres soll er auf dem Markt am Kranoldplatz in Lichterfelde den „Hitlergruß“ gemacht haben, wobei er ein T-Shirt mit Adolf Hitlers Konterfei getragen haben soll. Doch regelrecht geplättet waren die Polizeibeamten am 16. März 2002: Da habe Roland T. nicht nur die Hand zum „Hitlergruß“ erhoben, sondern auch noch seinem Hund „Adolf“ mit den zackig gesprochenen Worten „Adolf sitz! Mach den Gruß!“ befohlen, die rechte Pfote zu heben.

Roland T. kreuze fast täglich auf der Lichtenrader Polizeiwache auf, sagt Polizeihauptkommissar Andreas Sonnenschein vom Abschnitt 47. Dort gibt er schriftliche Beschwerden, Pamphlete sowie Manuskripte des von ihm verfassten Romans „Mein Kampf“ ab oder zeigt Leute an, die seiner Meinung nach falsch geparkt haben oder aus anderen Gründen nicht in sein Weltbild passen. Für den „Fall Roland T.“ gibt es sogar einen eigenen Sachbearbeiter.

Im Sommer dieses Jahres ist Roland T. vor der Lichtenrader Kita in der Weilburgstraße allerdings mit mehr als nur Ordnungswidrigkeiten und Verbal-Attacken aufgefallen: Deshalb haben die Beamten eine „Aufenthaltsverbotsverfügung“ (AVV) gegen ihn erlassen.

Das bedeutet: Roland T. darf sich sechs Monate lang weder zu Fuß noch per Auto vor der Kita in der Weilburgstraße sehen lassen. Der Grund: Roland T. soll dort am 20. Juni die Schreckschusspistole eines griechischen Vaters an sich gerissen und dann in die Luft geballert haben. Zuvor war dem Vater nach T.s üblen Beleidigungen der Kragen geplatzt: Aus Wut habe der Vater die Schreckschusswaffe aus seinem Handschuhfach geholt. Ringsherum sollen die Kita-Kinder und Mütter geschrien haben, wie Polizeihauptkommissar Sonnenschein berichtet. „Bislang hat sich Roland T. an die AVV gehalten“, sagt Sonnenschein. Die Beamten planen, die AVV nach dem Ablauf zu verlängern: „So ist die Kita mit den Kindern und Erzieherinnen vor T. geschützt.“ Der Vorfall vor der Kita ist ein Offizialdelikt, das heißt, die Staatsanwaltschaft wird auch ohne Strafantrag aktiv. Vorgeworfen werden T. Bedrohung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Gespannt sind die Beamten jetzt, wie sich der Richter nun zu T.s Schuldfähigkeit äußert. Nach einem schlimmen Unfall vor acht Jahren erlitt T. nämlich eine so schwere Kopfverletzung, dass er seither als vermindert schuldfähig gilt.

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