Gewalt-Bilanz 2013 : 290 Übergriffe auf Homosexuelle in Berlin

Beleidigung, Körperverletzung, Bedrohungen: Auch in der schwulenfreundlichen Stadt Berlin werden Homo- und Transsexuelle oft attackiert. Am Montag startete eine Aktionswoche gegen Homophobie.

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Am 17. Mai ist internationaler Tag gegen Homophobie.
Am 17. Mai ist internationaler Tag gegen Homophobie.Foto: dpa

290 Mal wurden Schwule, Lesben und Transsexuelle 2013 in Berlin beleidigt, körperlich angegriffen oder bedroht. Diese Zahl veröffentlichte das Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo in seinem Jahresbericht am Dienstag. „Die Fallzahlen liegen damit auf gleichbleibend hohem Niveau“, sagte der Maneo-Leiter Bastian Finke dem Tagesspiegel. Zwar seien 2013 mehr Fälle dokumentiert worden, dies bedeute aber nicht, dass die Zahl der Übergriffe in Berlin gestiegen sei. Finke sieht darin viel mehr einen Erfolg der Gewaltpräventions- und Öffentlichkeitsarbeit von Maneo.

Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei zeige Wirkung: Anfang 2013 kam es rund um den Nollendorfplatz in Schöneberg vermehrt zu Übergriffen. Hier wurden wie in den Vorjahren die meisten Vorfälle registriert, 2013 waren es 43 Prozent. Die Taten verliefen auffällig nach dem gleichen Muster: Es kam zu sexuellen Übergriffen, Nötigungen und anschließendem Diebstahl. „Wir sind nah dran an der Szene, bekommen so etwas mit und versuchen zu vermitteln“, sagt Finke. In diesen Fällen habe Maneo Geschädigte überzeugt, die Taten anzuzeigen und so die Polizei auf das Problem aufmerksam gemacht, die dann ermittelte. Die Beamten konnten ganze Tatserien aufklären. „Gegen Ende des Jahres nahm die Zahl der Vorfälle dann wieder deutlich ab“, sagt Finke.

Maneo fordert Opferhilfe zu verstärken

Die Dunkelziffer liegt, da sind sich Polizei und Maneo einig, aber noch immer bei bis zu 90 Prozent. Dennoch sagt Finke: „Es wenden sich immer mehr Betroffene und Zeugen an uns, wir kommen kaum noch hinterher.“ Er fordert deswegen Verstärkung für die Opferhilfe.

Mit Regenbogentorten startete Maneo am Montag eine Aktionswoche zum internationalen Tag gegen Homophobie am 17. Mai. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat am Dienstag im Roten Rathaus eine der insgesamt elf Torten angeschnitten. Zum Abschluss am Sonnabend finden öffentliche Kussaktionen vorm Rathaus Neukölln und am Nollendorfplatz statt – und am Abend wird im Schwuz, Rollbergstraße 26, in Neukölln gefeiert.

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