Berlin : Grenzsteg für einen Euro

DDR-Relikt im Osthafen wird bis 2014 umgestaltet.

Ronja Spiesser
Steg-Haus. Vom neuen Anleger kann man sich den alten anschauen; auch eine Dauerausstellung sowie ein Restaurant sind geplant. Simulationen: promo
Steg-Haus. Vom neuen Anleger kann man sich den alten anschauen; auch eine Dauerausstellung sowie ein Restaurant sind geplant....

Marode und brüchig erstreckt sich das knapp 500 Meter lange Relikt der ehemaligen DDR-Grenze im Wasser: der Osthafensteg, zwischen Elsenbrücke und Flutgraben in Treptow. Jetzt hat sich ein neuer Eigentümer für die Anlage gefunden, die einst der Grenz- und Zollabfertigung diente. Errichtet worden war der Steg 1962 als Wassersperre, nachdem das Ost-Berliner Ausflugsschiff „Friedrich Wolf“ über den hier in die Spree mündenen Landwehrkanal in den Westen entkommen war; auch ein Wachturm befand sich auf dem Steg.

Der Verein Historischer Hafen Berlin hat ein Konzept für das rund 2500 Quadratmeter große Wasserstück samt geschichtsträchtigem Zollsteg vorgelegt und sich damit gegen neun Mitbewerber durchgesetzt. Den Anstoß hatte das Interessensbekundungsverfahren durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes gegeben, das im März 2012 startete und vor einigen Tagen endete.

Zusammen mit dem Unternehmen Agromex wird der Verein noch in diesem Jahr eine Stiftung ins Leben rufen, die das Gelände kauft. „Der Steg kostet einen Euro“, sagt Karl-Manfred Pflitsch, Vorsitzender des Historischen Hafens. Das sei natürlich ein symbolischer Betrag. Der neue Eigentümer habe den Auftrag, den Steg zu sanieren. Anschließend werde dort ein weiterer, 300 Meter langer Steg gebaut, von dem aus man den alten DDR-Steg besichtigen könne. Eine Dauerausstellung wird die Geschichte der ehemaligen Wassergrenze beleuchten, historische Schiffe werden dort ankern, darunter die „Heinrich Zille“, auf der Gäste speisen oder am Wochenende Revuen sehen können.

Die Schiffe des Historischen Hafens liegen bislang an der Mühlendammschleuse. Nur teilweise werden diese umziehen. Ursprünglich war der Historische Hafen 1990 als „Berliner Schifffahrtsgesellschaft e.V. – Historischer Hafen“ gegründet worden. Nachdem sich der Verein und das Gründungsmitglied Manfred Pflitsch getrennt hatten, gründete dieser einen neuen „Historischen Hafen Berlin e.V.“. Nur einige der Schiffe an der Mühlendammschleuse stehen ihm für das Projekt damit zur Verfügung. Geplant sind aber Anlegeplätze für insgesamt 17 historische Schiffe. „Wir rechnen damit, dass das Projekt 1,5 Millionen Euro kosten wird“, sagt Pflitsch. Finanzierungshilfe leistet Agromex, ein Unternehmen, das vermehrt in Mitte und Prenzlauer Berg Gebäude kauft und saniert.

Die Pläne für die Steganlage sollen im nächsten Jahr konkretisiert werden, mit sichtbaren Ergebnissen sei erst 2014 zu rechnen. Dann sollen Besucher auch über das Wasser Zugang haben. Es wird zwei große Anliegerplätze für Fahrgastschiffe geben und für kleinere Privatboote zehn bis 15 „Wasserparkplätze“.

Mit seinem Konzept hatte der Historische Hafen das Auswahlgremium überzeugt, das unter anderem aus Vertretern der Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bestand. Laut Wasser- und Schifffahrtsamt als einem der Jurymitglieder werde so der Osthafensteg als Zeugnis deutsch- deutscher Teilungsgeschichte integriert und zugleich die Geschichte Berlins aufgegriffen. „Berlin war schließlich einmal Hansestadt und hat durch die Schifffahrt gelebt“, sagt Pflitsch.Ronja Spiesser

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