Guggenheim schließt : „Unter den Linden verschwindet das Leben“

Berlin rätselt über den Rückzug des Guggenheim Museums in Mitte. So mancher fürchtet schon Folgen für den Boulevard – andere machen sich lieber Mut.

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Unter den Linden.Standort des Deutschen Guggenheim. Foto: dpa
Unter den Linden.Standort des Deutschen Guggenheim.Foto: dpa

Auch der Senat wurde offenbar von der Entscheidung der Deutschen Bank und des New Yorker Solomon R. Guggenheim Museums überrascht, den deutschen Ausstellungsstandort Unter den Linden zu schließen. „Wir wussten es nicht“, sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz. „Aber ich habe, nachdem die Nachricht bekannt wurde, mit Verantwortlichen in der Deutschen Bank gesprochen.“ An dem Aus für das Deutsche Guggenheim zum Dezember – nach dann 15 Jahren erfolgreicher Ausstellungsgeschichte – konnte dies nichts mehr ändern. „Die Entscheidung für das Ende von Guggenheim steht fest“, sagt Schmitz. Das bedeute jedoch nicht das Ende des Engagements der Bank für zeitgenössische Kunst in Berlin. „Im Gegenteil. Ich bin mit der Deutschen Bank zeitnah zu entsprechenden Gesprächen verabredet.“ Der Weggang Guggenheims sei aber „natürlich ein Verlust“. Berlin habe aber immer noch viele spannende Ort für zeitgenössische Kunst. Einen Trend sieht Schmitz in der angekündigten Schließung jedoch nicht. „Berlin bleibt ein Mekka für zeitgenössische Künstler. Dass dabei Orte verloren gehen und andere neu entdeckt werden, gehört zum lebendigen Charakter der Kunststadt Berlin“, sagt der Kulturpolitiker.

Das weltberühmte New Yorker Museum verweist selbstbewusst darauf, dass sich auch dank seines Engagements die Kunststadt Berlin in den vergangenen Jahren ziemlich verändert habe. Die Entscheidung, Berlin zu verlassen, habe man gemeinsam mit der Deutschen Bank getroffen. „Wir haben das Gefühl, dass es genau die richtige Zeit ist, ein wenig zurückzutreten und unsere Zusammenarbeit zu überprüfen, um zu sehen, was sich daraus entwickeln kann“, sagt Richard Armstrong, Direktor von Guggenheim Museum und Stiftung.

Für die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Sabine Bangert, ist es noch „nicht ganz schlüssig, warum der Standort geschlossen wird“. „Das Deutsche Guggenheim ist international schon eine tolle Adresse gewesen“, sagt Bangert. Von einem „wohltuenden Farbtupfer“ in der Ausstellungsszene spricht ihr Kollege von der Linksfraktion, Wolfgang Brauer. Das Profil des Guggenheim Berlin werde fehlen in der Stadt. Brauer sieht aber auch Folgen für das Stadtbild: Die Schließung werde dazu beitragen, dass die Straße Unter den Linden weiter verödet: „Das Leben in der Straße verschwindet.“

„Schade“ sagt Burkhard Kieker, Chef der Berliner Tourismusgesellschaft Visit Berlin. Die hiesige Kunstlandschaft sei ein „einzigartiges Puzzle, dem jetzt ein Stein fehlt“. Kieker hat keinen Zweifel daran, dass etwas Neues an seine Stelle tritt. Er befürchte aber nicht, dass Berlin seinen herausragenden Rang als Kulturstadt einbüßt. „Es ist immer bedauerlich, wenn Raum für die Kunst geschlossen wird und der Öffentlichkeit verloren geht“, sagt Gabriele Horn, Direktorin der Kunstwerke, der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst in der Auguststraße. Thomas Köhler von der Berlinischen Galerie hebt besonders das „vorbildliche kulturelle Engagement“ hervor, das die Deutsche Bank in der Zusammenarbeit mit Guggenheim gezeigt habe.

Auch wenn der Kunst-Showroom geschlossen wird, betont die Guggenheim-Stiftung ihr „reges Interesse“ an Berlin und verweist auf das BMW Guggenheim Lab: Die Kombination aus Ideenschmiede, Forschungslabor und Diskussionsforum der Stiftung und des Autobauers, wird vom 24. Mai bis 29. Juli am Schlesischen Tor gastieren. Berlin ist die zweite Station des Projekts auf seiner Tour rund um den Globus, anschließend wird es nach Mumbai weiterziehen.

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