• Hauptstadt der Baumängel: Mehrere neue Bahnhöfe in Berlin haben Feuchtigkeitsschäden

Hauptstadt der Baumängel : Mehrere neue Bahnhöfe in Berlin haben Feuchtigkeitsschäden

Hauptbahnhof, Gesundbrunnen, Südkreuz, Potsdamer Platz: Die erst 2006 eröffneten Stationen der Bahn sind alle undicht. Die Ursachen sind nicht immer bekannt. Um auch den Nord-Süd-Tunnel wasserfest zu machen, wird er 2015 länger gesperrt.

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Nach oben offen: Am Hauptbahnhof wird jetzt das Dach instand gesetzt. Danach soll er wasserdicht sein. Ein Teil der Scheiben muss ersetzt werden, auch die Dichtungen werden erneuert.
Nach oben offen: Am Hauptbahnhof wird jetzt das Dach instand gesetzt. Danach soll er wasserdicht sein. Ein Teil der Scheiben muss...Foto: dpa

Etwas mag die Deutsche Bahn derzeit überhaupt nicht: Regen. Dann werden nämlich nicht nur am Hauptbahnhof ausgerechnet die Fahrgäste der 1. Klasse bei einem langen ICE nass, weil bekanntlich das Dach zu kurz geraten ist. Auch dort, wo es einen Schutz geben soll, ist die Bahn nicht ganz dicht. Gleich an mehreren der neuen Bahnhöfe gibt es Feuchtigkeitsschäden.

Vögel knabberten die Silikonfugen an den Scheiben des Daches an

Im Hauptbahnhof, der wie die Stationen Südkreuz, Gesundbrunnen und Potsdamer Platz erst Ende Mai 2006 in Betrieb gegangen ist, gibt’s derzeit gleich zwei Probleme. Die Silikonfugen an den Scheiben des Daches wurden von Vögeln angeknabbert und sind deshalb undicht geworden. Diese Schäden werden nach Angaben der Bahn jetzt bei den Instandsetzungsarbeiten am Dach beseitigt.

Zudem hat es, wie berichtet, Risse in den Scheiben gegeben. Gut zwei Dutzend Scheiben sind deshalb durch Holzplatten ersetzt worden, die aber nicht hundertprozentig eingepasst werden konnten, so dass an den Kanten bei Regen Wasser eindringt. Im Oktober sollen neue Scheiben kommen, die extra angefertigt werden müssen. Dann werde auch dieser Mangel behoben, verspricht die Bahn.

Auch Am Bahnhof Südkreuz hat es hereingeregnet.
Auch Am Bahnhof Südkreuz hat es hereingeregnet.Foto: dpa

Im Regionalbahnhof Potsdamer Platz sieht es nicht viel besser aus. Schon seit Jahren gibt es immer wieder Probleme mit eindringendem Wasser. Vermutungen im vergangenen Winter, die über dem Bahnhof aufgebaute Rodelbahn mit künstlichem Schnee sei der Verursacher, haben sich nicht bestätigt. Vermutlich schafft sich das Wasser über die Bauwerksfugen Zutritt in den Bahnhof, in dem sich dann große Lachen bilden. Die aktuelle Schadstelle sei gegenwärtig nicht konkret lokalisierbar, sagte ein Bahn-Sprecher. Inzwischen sei ein Sachverständigenbüro eingeschaltet worden.

Am Bahnhof Gesundbrunnen entwickelten sich fast schon kleine Sturzbäche

Im Bahnhof Südkreuz sind nach Angaben des Sprechers „kleine Undichtigkeiten“ am unteren S-Bahn-Steig bekannt. Die Reparaturaufträge seien erteilt. Die Regeneintritte der Vergangenheit in der Halle, in der die Züge der Ringbahn halten, seien durch eine „gesteuerte Öffnung“ der Entrauchungsklappen im Dach bei einer notwendigen technischen Überarbeitung und der anschließenden technischen Abnahme entstanden.

Provisorisch: Mit Holz ist das Dach im Hauptbahnhof geflickt, doch die Platten passen nicht perfekt.
Provisorisch: Mit Holz ist das Dach im Hauptbahnhof geflickt, doch die Platten passen nicht perfekt.Foto: Mike Wolff

Fast schon kleine Sturzbäche waren in den vergangenen Monaten bei mehr oder weniger heftigen Regenfällen auch in den Verbindungstunnel zu den Bahnsteigen des Bahnhofs Gesundbrunnen geprasselt. Das Wasser hatte sich auch hier durch Fugen seinen Weg gebahnt, als die Asphaltdecke des Vorplatzes für den nachträglichen Bau eines Empfangsgebäudes abgetragen werden musste. Jetzt steht das große Dach, das rund 4000 Quadratmeter überspannt, und der „massive Wassereintritt“ sei gestoppt worden, sagte der Bahn-Sprecher. Das Empfangsgebäude soll voraussichtlich im ersten Quartal 2015 in Betrieb gehen; rund ein Jahr später als geplant. Der Eröffnungstermin sei jetzt abhängig vom Ausbau der Läden und Geschäfte durch die Mieter selbst, sagte der Sprecher.

Auch bei der BVG gibt es Ärger mit dem Wasser

Abdichtungsarbeiten soll es im nächsten Jahr auch im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn geben – zusammen mit einer ganzen Reihe von anderen Arbeiten. Unter anderem werden Weichen ausgetauscht, die Rampenstrecken saniert und ein neues Signalsystem eingebaut. Bereits im vergangenen Jahr hat die Bahn neue Schienen gelegt. Ursprünglich sollten die Arbeiten auf mehrere Jahre verteilt werden. Jetzt will die Bahn alle noch ausstehenden Arbeiten auf einen Schlag erledigen. Der Tunnel wird deshalb zwischen Anhalter Bahnhof und Nordbahnhof länger als geplant gesperrt – nach aktuellem Stand vom 16. Januar bis zum 4. Mai 2015. Zunächst sollte die Sperrung nur bis März dauern.

Einmal den Feudel, bitte. Am Bahnhof Potsdamer Platz regnet es hinein.
Einmal den Feudel, bitte. Am Bahnhof Potsdamer Platz regnet es hinein.Foto: André Görke

Wasserärger gibt es auch bei der BVG – zuletzt vor allem am U-Bahnhof Vinetastraße, an dem die BVG schon seit Jahren baut. Noch sind die Arbeiten aber nicht abgeschlossen; die Wasserbetriebe wollen noch ein Rohr legen, und anschließend dichtet die BVG die noch fehlenden Flächen ab. Die Arbeiten sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden. Fahrgäste hatten mehrfach irrtümlich vermutet, dass die bereits sanierten Bereiche erneut undicht geworden seien.

Anders als bei der Bahn sind es bei der BVG vor allem die alten Anlagen, die undicht werden. Derzeit werden unter anderem der Tunnel der U 2 unter der Hardenbergstraße und der U 7 unter der Karl-Marx-Straße in Neukölln abgedichtet. Vor Jahren hatte sich der Bahnhof Wittenbergplatz sogar in eine kleine Tropfsteinhöhle verwandelt. Doch inzwischen ist es auch dort trocken.

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