Hauptstadtflughafen BER : Mehdorn misstraut dem Aufsichtsrat

Flughafenchef Hartmut Mehdorn bringt einen eigenen Juristen zur Sitzung des Gremiums mit – und will mehr Geld für die Baustelle. Die Aufsichtsräte zeigen sich von seiner bisherigen Arbeit enttäuscht.

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Hat sich juristischen Beistand für die nächste Aufsichtsratssitzung gesucht: BER-Chef Hartmut Mehdorn.
Hat sich juristischen Beistand für die nächste Aufsichtsratssitzung gesucht: BER-Chef Hartmut Mehdorn.Foto: dpa

Mit einer ungewöhnlichen Unterstützung geht Flughafenchef Hartmut Mehdorn am Freitag in die Sitzung seines Aufsichtsrats: Er lässt sich von einem renommierten Juristen begleiten. Nicht um sich zu verteidigen, sondern um dem Gremium zu erläutern, was dessen Rechte und Pflichten sind. Mehdorn sieht sich von den Aufsichtsräten oft ausgebremst. Zuletzt hatte er dem Gremium vorgeworfen, den von ihm geplanten Probebetrieb am Nordpier torpediert zu haben.

Zudem stellten die meisten Politiker im Aufsichtsrat ihre politischen Interessen in den Vordergrund, nicht aber das Wohl des Unternehmens, soll Mehdorn monieren. Wo die Grenzen des Gremiums sind, das sich nach Angaben von Insidern häufig als die „bessere Geschäftsführung“ sieht, soll der Jurist nun erläutern – nach Tagesspiegel-Informationen mit der Zustimmung des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit. Senatssprecher Richard Meng bestätigte dies allerdings nicht.

Enttäuschung auf beiden Seiten

Umgekehrt sind die Aufsichtsräte aber von der bisherigen Arbeit Mehdorns ebenfalls enttäuscht. Auch nach mehr als einem Jahr im Amt ist der Flughafenchef noch weit entfernt davon, einen Eröffnungstermin nennen zu können. Erst Ende des Jahres will Mehdorn es wagen, damit herauszurücken.

Noch trauen die Aufsichtsräte dem von ihnen eingesetzten Flughafenchef aber mehrheitlich wohl zu, die Probleme, vor allem mit der Entrauchungsanlage, lösen zu können. Gäbe es kein Vertrauen mehr, müssten sie sich umgehend von Mehdorn trennen. Seit Vertrag läuft noch bis 2016.

Um die Entrauchungsanlage ans Laufen zu bringen, hat Mehdorn ausgewiesene Fachleute an Bord geholt, die inzwischen auch ein Konzept dafür entwickelt haben. Ob und wie es umgesetzt werden kann, sollen Vertreter von Baufirmen auf der Sitzung des Aufsichtsrats erläutern. Auch Siemens ist dabei. Das Unternehmen hat den Umbau der Steuerung für die Frischluftzufuhr bei einem Brand übernommen. Bei Tests hatte sich herausgestellt, dass Klappen, Türen und Fenster feinfühliger geregelt werden müssen als ursprünglich vorgesehen war, um bei einem Feuer Rauchverwirbelungen zu vermeiden.

Aufsichtsrat will Vorwürfe vermeiden

Auch in der Vergangenheit berichteten Vertreter von Firmen im Aufsichtsrat. Ihr Erscheinen könnte sich jetzt allerdings häufen, weil der Aufsichtsrat sich auch absichern will. Er will Vorwürfe vermeiden, sich nicht ausreichend um die Dauerbaustelle gekümmert zu haben.

Beschäftigen müssen sich die Aufsichtsräte zudem mit den Finanzen. Mehdorn braucht weiteres Geld: Die bisher für den Flughafen bewilligten 4,3 Milliarden Euro sind nach seinen Angaben Ende des Jahres aufgebraucht. Die Rede ist von 1,1 Milliarden Euro, die der Flughafen zusätzlich verschlingen wird. Allein durch den Stillstand entstehen monatlich Kosten in Höhe von rund 17 Millionen Euro. Hinzu kommen entgangene Einnahmen in ähnlicher Höhe. Auch für das Fortsetzen der Planungsarbeiten für einen Weiterbetrieb der bisherigen Abfertigungsanlagen in Schönefeld will sich Mehdorn weiteres Geld bewilligen lassen.

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